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Celle Stadt Authentischer Psychothriller: "Alles wird gut" feiert Premiere in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Authentischer Psychothriller: "Alles wird gut" feiert Premiere in Celle
22:00 09.10.2016
Dirk Böther, Eva-Maria Pichler und Johann Schibli (von links) setzen die Handlung, die sich um einen Toten aus dem rechten Milieu dreht, sehr - realistisch um. Quelle: Sarah Pertermann
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Mehmet Gürcan Daimagüler bringt sich in „Alles wird gut“ ganz bewusst selbst ins Spiel. Er nutzt authentische Texte als Material: Dokumentationen, die zu Entlastung oder Anklage führen könnten, gäbe es denn tatsächlich die Tat. Aus dieser sehr realistischen Möglichkeit, einen Menschen durch das, was er sagt, wofür er eintritt und was er darstellt, zerstören zu können, hat Andreas Döring als Dramaturg und Regisseur gemeinsam mit dem türkischstämmigen deutschen Autor ein Bühnenstück gemacht.

„Es ist im wahrsten Sinn ein Psychothriller geworden“, sagt Andreas Döring, „denn die Ermittlungen werden nicht nur von persönlichen Ansichten, Stellungnahmen oder Taten bestimmt. Daneben beeinflussen weitere Strippenzieher und Meinungsmacher die Perspektiven der Ermittler.“

Drei Ermittler – eigentlich schon psychologisch geschulte Profiler – sind eingeschaltet, um den Verdacht gegen den Anwalt zu erhärten oder zu entkräften. Der Zuschauer braucht weder politische noch juristische Vorkenntnisse, um dem Stück und den Ermittlungssträngen folgen zu können. Jeder kann seine eigenen Schlüsse ziehen, auf Schubladen-Denk-Fallen achten, sich selbst ein Bild machen – vielleicht „wird alles gut“ am Ende – und wenn nicht ...?

„Ich habe einen Alptraum“, sagt Daimagüler. „Ich wache auf in einer Welt, in der der Mensch aufhört, ein Mensch zu sein. Dort ist Mitmenschlichkeit ein Makel, der Andere ist nur noch negatives Attribut: ‚naiver Gutmensch‘, ‚gefährlicher Muslim‘, ‚schmarotzender Immigrant‘, ‚dummer Ossi‘, ‚arroganter Wessi‘ … Solidarität gehört – wenn überhaupt – nur dem Clan, der Familie, dem Landstrich, in dem man lebt. Wir sind zurückgefallen in das Stammesdenken unserer Vorfahren“, sagt Daimagüler. Und er appelliert einmal mehr an die Fähigkeit, zuzuhören und Mitgefühl zu zeigen.

Nach „Kein schönes Land in dieser Zeit“ setzt das Schlosstheater Celle mit „Alles wird gut“ die Zusammenarbeit mit dem Anwalt und Publizisten Daimagüler fort. Premiere und Uraufführung ist am Freitag, 21. Oktober, in der Halle 19, Beginn 20 Uhr.

Von Doris Hennies