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Celle Stadt Authentisches Ein-Frau-Stück feiert auf Celler Turmbühne Premiere
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Authentisches Ein-Frau-Stück feiert auf Celler Turmbühne Premiere
16:43 24.10.2017
Bilder zur Premiere des Ein-Personen-Stücks „Intim“auf der Turmbühne des Schlosstheaters mit Rebekka Reinholz. Quelle: Schlosstheater Celle
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Statt Antworten gibt es für Marie ständig neuen Fragen. Mit der Gastschauspielerin Rebekka Reinholz als „Marie“ hat das Schlosstheater Celle eine gute Wahl getroffen. Sie verkörpert den Teenager im neuen „Ein-Frau-Stück“ – einer Uraufführung aus theatereigener Produktion – wundervoll echt und ohne überflüssige Allüren. Ihr Spiel mit und zwischen all den emotionalen Umschwüngen – zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt – wirkt authentisch und ungekünstelt. Man nimmt der 26-jährigen Darstellerin den Teenager zu jeder Zeit ab. Damit ist auch erreicht, was sich das Team der „Stückentwickler“ um Theaterpädagogin und Regisseurin Aline Bosselmann und Dramaturgin Mona vom Dahl gewünscht haben: Eine Figur zu schaffen, die so stimmig ist, dass sich junge Menschen damit identifizieren können.

In „Intim – oder Bienen küssen nicht“ geht es auch, aber nicht nur um Sexualität. Das Stück greift viele Facetten dieser verändernden Körperlichkeit und dem neu zu gewinnenden Bewusstwerden auf, dem sich jeder Teenager zu stellen hat – angefangen von der entdeckten Wirkung auf andere bis hin zum ersten „richtigen“ Kuss. Der „Zustand“ gibt Rätsel auf: Wie kommt man an Antworten auf all die Fragen, ohne „voll peinlich“ zu sein, oder sich als unwissend zu outen?

Eine erste Quelle sind Internet und Fachbücher, aber die erklären eben Vorgänge und Fakten und keine Emotionen. Und wenn man sich mal traut die Erwachsenen zu fragen, bekommt man oft auch keine zufriedenstellende Antwort. Wie muss man denn nun sein, damit die Jungs einen toll finden, die Mitschüler einen bewundern oder zumindest akzeptieren, man eben einzig ist statt ungesehen und beliebig? Wie erreicht man den richtigen Look, das richtige Auftreten und findet, den richtigen Satz – wenn einem vor Aufregung die Stimme wegbleibt und das Herz so schnell schlägt, dass einem übel wird. Muss man sich tatsächlich stets anpassen?

Marie hat für das, was sie im Alltag so beschäftigt ihre beste Freundin Hannah. Mit ihr ist sie nahezu ständig „online“. Und doch gibt es zunehmend Sachen, die Marie nicht mit ihr teilen, die sie erst einmal selbst für sich herausfinden will. Die Sache mit Olli zum Beispiel oder das Probe-Casting in Hamburg. Hin und her gerissen zwischen romantischen Vorstellungen und der Realität, zwischen Ausgelassenheit und Niedergeschlagenheit, arbeitet sich Marie – quasi stellvertretend – durch Pubertät und den Fragenberg. Vieles ist angesprochen, nichts belehrend vertieft. Das Stück hat nicht die Intension sexuelle „Aufklärung“ zu betreiben, vielmehr bleibt es spielerisch leicht in seiner aufgegriffenen Themenvielfalt und bietet gerade damit jede Menge Ansätze für weiterführende Gespräche – und für den Austausch von Erfahrungen für all die, die das Ganze schon hinter sich haben. Verständnis ist eben die beste Basis für Kommunikation.

Von Doris Hennies