Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Autor Peter Schanz recherchiert für neues Stück „Fluchtpunkt Celle"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Autor Peter Schanz recherchiert für neues Stück „Fluchtpunkt Celle"
21:03 19.05.2015
Peter Schanz recherchiert im LK für neues Stück "Fluchtpunkt Celle" Quelle: Benjamin Westhoff
Celle Stadt

Ganz oben auf der Agenda von Peter Schanz nach seiner Ankunft in Celle stand: „Fahrrad ausleihen“. „Das ist eines meiner wichtigsten Recherchemittel“, scherzt der 57-Jährige. Für zwei Wochen ist der freie Autor – beauftragt von Schlosstheaterintendant Andreas Döring – im Landkreis unterwegs, um für sein neues Stück „Fluchtpunkt Celle – Vom Vertriebenwerden und Ankommen“ zu recherchieren. Es wird am 18. März 2016 im Schlosstheater uraufgeführt und wird bereits das vierte Stück mit Celler Lokalkolorit aus seiner Feder sein.

Der Autor hat eine klare Zielvorstellung für seine kleinteilige, facettenreiche Geschichte: Er will Schicksale erzählen, Problemfelder nennen und auch Peinlichkeiten aufzeigen. Den Ansatz seines Stücks fasst Schanz in vier Fragen zusammen: „Wer kommt in Celle an? Wie werden die Menschen aufgenommen? Warum mussten sie fliehen? Was haben sie auf der Flucht erlebt?“ Dabei will er einen Bogen spannen zwischen heutigen Asylbewerbern aus allen Teilen der Welt und den Millionen von Flüchtlingen oder Vertriebenen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, die aus dem Osten in den Westen geströmt sind.

„Mich hat in den vergangenen Jahren bei der Diskussion um Flüchtlinge immer gewundert, warum sich unser reiches Land so unglaublich schwertut, diese Menschen in Not aufzunehmen. Dabei hat unser Land in seinen Anfängen ganz andere Dimensionen von Flüchtlingen aufgenommen“, sagt Schanz. Zwischen den beiden Zeiträumen sieht der Autor, der auch selbst Regie führen wird, einige Parallelen. Eine benennt er wie folgt: „Der Irrsinn ist, dass die Pommern damals einer enormen Fremdenfeindlichkeit ausgesetzt waren, ähnlich wie bei den Flüchtlingen heute.“

Das eingangs erwähnte Fahrrad hilft Schanz dabei, die sportliche Dichte von drei bis vier mehrstündigen Terminen pro Tag im Landkreis bewältigen zu können. Für sein jetziges Projekt führt der Norddeutsche – unterstützt von der CZ – zahlreiche Gespräche mit Flüchtlingen aus Syrien, Eri-trea und dem Sudan, befragt ehrenamtliche Betreuer nach ihren Erfahrungen, durchforstet Unmengen von Dokumenten in hiesigen Archiven, wertet Quellen aus.

„Bei einem solchen Rechercheprojekt bekommt man ein Gefühl für die regionale Dramaturgie. Ein Stück nur für Celle und seine Einwohner“, sagt Schanz. Die Nachforschungen würden ihm sehr leicht fallen, da er auf eine große Hilfsbereitschaft stößt und aufgrund vergangener Projekte (siehe Kasten) auch alte Kontakte anzapfen konnte.

Etwa zwei Monate wird Schanz brauchen, bis er eine erste Fassung des Stücks aufs Papier gebracht hat. Mitte Oktober muss er spätestens fertig sein, dann steigt die erste Bauprobe im Schlosstheater, bei der die Planungen für das Bühnenbild beginnen.

Von Kai Knoche