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Celle Stadt BID als Riesenchance für Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt BID als Riesenchance für Celle
22:39 03.06.2016
Von Michael Ende
Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Als es noch galt, sich die Konkurrenz eines Einkaufscenters vom Hals zu halten, schlossen sich Innenstadt-Akteure zusammen, übertrumpften einander mit tollen Ideen zur "Attraktivierung" der City. Nach dem Rückzug des gemeinsamen Feindes zerbrach diese Allianz. Die Ideen ebenso. Dass nun wieder jeder sein eigenes Süppchen koche, was zu einem faden Altstadt-Menü führe, ärgert CDU-Ratsherrn Michael Bischoff: „Fünf Jahre nach dem Scheitern des Citymanagements dümpelt der Einzelhandelsstandort Celler Innenstadt vor sich hin. Wo einst versucht wurde, die große Zahl von Einzelhändlern, Filialisten und Dienstleistern an einen Tisch oder gar unter einen Hut zu bringen, regieren frustriertes Schweigen und Nichtstun.“

Dabei sei der Konkurrenzdruck durch große innerstädtische Einkaufsgalerien wie ECE in Hannover, Braunschweig und Wolfsburg stetig größer geworden. Factory Outlet Center (FOC) wie in Soltau und große Fachmärkte am Celler Stadtrand mit zunehmend auch innenstadtrelevanten Sortimenten gefährdeten den Bestand der Innenstadt, so Bischoff: „Verkaufsoffene Sonntage sind das Einzige, was von den ehrgeizigen Zielen, die Celler City wie ein großes Einkaufszentrum zu führen, übrig geblieben ist. Und selbst da bleibt es dem Einzelnen überlassen, ob er mitmacht oder nicht. Keine Rede mehr von einheitlichen Öffnungszeiten, gemeinsamen Werbe- und Marketingaktionen, organisierter Kinderbetreuung, einem gemeinsamen Internetauftritt oder flächendeckenden kostenlosen Hotspots.“

Jedes Jahr aufs Neue sei die „Zitterpartie Weihnachtsbeleuchtung“ symptomatisch: „Die Kaufmannschaft tut sich mehr als schwer. Dabei bräuchte es hier nur ein wenig Wir-Gefühl.“ Die Gründe für das bisherige Scheitern gemeinsamer Aktionen seien nachvollziehbar: „Niemand in der Kaufmannschaft finanziert gerne Maßnahmen, die nicht solidarisch von allen anderen mitgetragen werden. Solange insbesondere Filialisten als Trittbrettfahrer davon profitieren, was engagierte Teile der Einzelhändler und Dienstleister organisieren, wird es kein gemeinsames Agieren in der Innenstadt geben.“ BIDs wären hier ein Ausweg, so Bischoff: „Niedersachsen hängt dieser Entwicklung zur Stärkung innerstädtischer Einzelhandelsstandorte anderen Bundesländern hinterher. In Hannover tut sich diesbezüglich nichts, obgleich die heutigen Nöte vieler Innenstädte seit Jahren wortreich beklagt werden.“

Eine neue Chance für ein ganzheitliches Vermarktungs- und Managementkonzept für die Celler Innenstadt läge in der Möglichkeit, einen innerstädtischen Bereich als BID (Business Improvement District) auszuweisen. Dazu bedürfte es lediglich des Antrags von 15 Prozent der ansässigen Immobilienbesitzer, um ein solches Verfahren in Gang zu setzen. Der Vorteil im Vergleich zum bisherigen Citymanagement: Nicht nur die gesamte Händlerschaft dieses innerstädtischen Bezirks sind an den gemeinsamen Maßnahmen per Satzung beteiligt, auch die Immobilienbesitzer und optional auch die jeweilige Kommune sitzen verpflichtend für einen definierten Zeitraum mit im Boot. BIDs stellen eine völlig neue Form des PPP (Private-Public-Partnership) dar. In Niedersachsen fehlen die gesetzlichen Grundlagen, in anderen Bundesländern wie Hamburg werden BIDs seit Jahren entwickelt.

In Hannover tue sich sehr wohl etwas, so der Celler SPD-Landtagsabgeordnete Maximilian Schmidt auf CZ-Nachfrage: „Unser beharrlicher Einsatz hat sich gelohnt: Noch in diesem Jahr werden wir im Landtag ein Gesetz zur Stärkung der Quartiersentwicklung einbringen. Damit wird die Einführung von BIDs auch in Niedersachsen möglich.“ Laut Schmidt befindet sich der Gesetzentwurf zurzeit im Stadium eines Referentenentwurfs im Sozialministerium: „Der Gesetzentwurf geht noch vor der Sommerpause in die Ressortbeteiligung mit den anderen Landesministerien, anschließend wird die Landesregierung über den Entwurf beschließen."

Skeptisch zeigt sich der Celler FDP-Landtagsabgeordnete Jörg Bode. Er befürchtet, dass per BID Geschäftsleute quasi durch die Hintertür besteuert werden könnten, indem sie Aufgaben übernehmen müssten, für die eigentlich die Kommunen zuständig seien: „Das lehnen wir ab.“ Der Celler CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch warnt vor verfrühter Euphorie: „Es ist bislang noch völlig unklar, welche konkreten Regelungen ein mögliches neues Gesetz tatsächlich treffen wird.“

Schmidt: „Aus der Wirtschaft und von den Kammern haben wir positive Signale für unser Konzept erhalten – gerade für den Einzelhandel in der Celler Altstadt ist das BID-Konzept eine echte Chance.“ Noch in diesem Jahr solle das Gesetz in den Landtag eingebracht werden: „Unser Ziel ist es, dass wir im kommenden Jahr loslegen können. Celle hat das Ziel, Pilotstadt zu werden – die Chancen dafür stehen nach jetzigem Stand gut.“