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Celle Stadt BO 105 startet noch mal richtig durch
Celle Aus der Stadt Celle Stadt BO 105 startet noch mal richtig durch
13:07 01.03.2012
Von Michael Ende
Celle Stadt

WIETZENBRUCH. Totgesagte leben länger - und zur Ausmusterung Vorgesehene haben oft noch einen lange Karriere vor sich: So könnte es der BO 105 ergehen. Der betagte Hubschrauber, der zu Zeiten des kalten Krieges als "Panzerknacker" seinen Dienst versah, sollte bei der Bundeswehr eigentlich der seit Jahrzehnten herbeigesehnten neuen Helikopter-Generation Platz machen. Aber die neuen - der Kampfhubschrauber "Tiger" und der Transporthubschrauber NH 90 - lassen auf sich warten. Außerdem können sie zwar viel - aber nicht all das, wofür man in der Armee die zuletzt als Ausbildungs- und Verbindungshubschrauber genutzte BO schätzen gelernt hat.

"Mit der BO 105 haben wir ein Waffensystem, mit dem wir richtig in die Vollen gehen können", sagt Oberstleutnant Hermann Grube, Leiter des Heeresfliegerausbildungszentrum C in Wietzenbruch, wo auch Piloten der deutschen Luftwaffe und Marine sowie spanische und schwedische Luftfahrzeugführer auf dem in den sechziger Jahren entwickelten Helikopter trainieren. Solange es noch keinen neuen Hubschrauber gebe, mit dem Piloten das überlebenswichtige Autorotations-Verfahren üben könnte, werde man die BO 105 fliegen, so Grube. Und das mit dem "in die Vollen gehen" ist nicht einfach so daher gesagt. Denn Celle werde das letzte Refugium des alten Fliegers sein: "Für das Jahr 2011 standen uns in Wietzenbruch 2700 Flugstunden zu, 2012 sind es 3600, und 2015 sollen es schon 6250 Flugstunden sein - das ist eine Verdoppelung dessen, was wir heute haben."

Bevor die BO 105 einmal tatsächlich ausgemustert werde, könnte "noch viel Wasser die Fuhse herunterfließen", schätzt Grube: "Es erscheint durchaus möglich, dass sie auch nach 2016 noch fliegt." Denn nicht nur im Ausbildungsbereich, sondern auch im Truppenalltag wird der als Light Utility Vehicle (LUV) geschätzte kleine Hubschrauber eine große Lücke hinterlassen: "Mal eben" eine wichtige Person, oder Material von A nach B fliegen oder "mal eben" Gelände erkunden - das macht man nicht mit einem Kampfhelikopter oder einem voluminösen Transporter.

Den Entscheidungsträgern auf höchster Ebene möchte Grube nicht hineinreden. Er macht sich seine Gedanken: "Es könnte auch sei, dass die BO 105 so lange fliegt, bis jemand darauf kommt und sagt: Wir haben ja gar keinen Verbindungshubschrauber als LUV mehr - warum nehmen wir denn nicht die BO 105?"