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Celle Stadt Bachs Meisterwerk zerbröselt in seine Einzelteile
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bachs Meisterwerk zerbröselt in seine Einzelteile
14:52 16.08.2010
Orgelkonzert mit Bernhard klapproth in der Stadtkirche Quelle: Peter Müller
Celle Stadt

Klapprott ging das Stück sehr langsam an. Von Schwung keine Spur. Immer wieder betonte der Organist die erste Zählzeit in den Takten viel zu stark, verzog diese geradezu. So entstand kein innerer Fluss, geschweige denn Spannung. Nach der Toccata hebt normalerweise eine Fuge mit einem choralartigen Thema an und setzt dem Perpetuum der Toccata in raffinierte Harmonien gekleidete innere Ruhe entgegen. Nicht so bei Klapprott. Hier ist zwischen Toccata und Fuge zuerst einmal ein Loch. Klapprott ließ sich alle Zeit der Welt bis er denn umregistriert hatte und erst als man schon hätte meinen können, er lässt die Fuge weg, setzt er zu dieser an. Natürlich kann dann keine Einheit mehr von Toccata und Fuge entstehen. Aber auch für sich gehört war die Fuge in dieser Spielweise nicht überzeugend. Klapprott vermochte es nicht, einen melodischen Bogen zu bauen. Jeder Ton des Themas stand für sich. Bachs Meisterwerk zerbröselte in lauter Einzelteile.

Die beiden anderen großen Bach-Werke gelangen erfreulicherweise etwas besser. Die c-moll-Passacaglia litt zwar unter einer eintönigen Registrierung, jedoch hielt hier die Spannung vom ersten bis zum letzten Ton. Und einige Passagen, meist schnellere, gerieten sehr prägnant. Bei der Toccata und Fuge in F musste man nach dem Erleben der „Dorischen“ Toccata befürchten, dass der Organist auch wieder zu langsam an die Sache gehen würde, aber das war keineswegs der Fall. Allerdings: Ein rechtes Fließen kam allerdings aus den gleichen Gründen wie bei der „Dorischen“ auch hier nicht zustande. Und nach der Toccata kam dann wieder ein zeitliches Loch, das so lange währte, dass sogar jemand zu klatschen anfing. Da keine Spur mehr von Spannung im Raum war, war es naheliegend, das Stück als beendet zu empfinden.

Außerdem gab es noch zehn Choräle aus Bachs Orgelbüchlein. Manche gelangen überzeugend wie „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ oder „Durch Adams Fall“, andere gerieten zwiespältig. „Ich ruf zu dir“ fiel zwar durch eine besonders reizvolle Registrierung auf, jedoch war auch hier die Ausführung im Detail problematisch. Die Punktierungen waren teilweise zu scharf. Vor allem aber gerieten die kurzen Noten nach Punktierungen oft so abgerissen, dass die Melodie phasenweise wie verhackstückt klang. Man kann nur hoffen, dass Klapprotts Bach-Spiel an diesem Abend nicht repräsentativ für ihn war und er einfach einen schlechten Tag hatte.

Von Reinald Hanke