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Celle Stadt Bahnhof Celle: Hängepartie geht weiter
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bahnhof Celle: Hängepartie geht weiter
18:26 06.10.2017
Von Christian Link
Quelle: Christian Link
Celle Stadt

Am Mittwochabend mussten drei Frauen, ein Kleinkind und ein Säugling fast anderthalb Stunden ausharren, bevor sie endlich von der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Lift befreit werden konnten. Eigentlich hätten aber nicht die ehrenamtlichen Brandbekämpfer, sondern eine Vertragsfirma die fünf aus ihrer misslichen Lage erlösen sollen.

Die drei eingeschlossenen Frauen hatten gegenüber der CZ berichtet, dass nach dem Drücken der Notruftaste nur eine verzerrte und völlig unverständliche Stimme zu hören gewesen sei. Die Bahn habe das am Tag nach dem Vorfall überprüft. „Die Verständigung klappt ohne Probleme“, berichtet eine Bahnsprecherin auf CZ-Anfrage.

Wenn ein Aufzug auf dem Bahnhof eine Macke hat, soll sich nach Drücken der Notfalltaste eigentlich ein Mitarbeiter der zuständigen „3-S-Zentrale“ melden. „Dieser beauftragt umgehend die zuständige Vertragsfirma, die in spätestens 30 Minuten vor Ort sein soll. In der Zwischenzeit hält der Mitarbeiter regelmäßigen Kontakt zu den Fahrgästen. Die örtlichen Feuerwehren werden als Rückfallebene im Notfall hinzugezogen“, erläutert die Bahnsprecherin.

Mit dem 3-S-Konzept will die Bahn „Service, Sicherheit und Sauberkeit“ gewährleisten. Für die deutschlandweit 5400 Bahnhöfe gibt es allerdings nur etwa 30 solcher Servicestützpunkte. Für Celle ist die 3-S-Zentrale in Hannover zuständig.

Wann der betreffende Aufzug zuletzt gewartet wurde, konnte die Bahn auf Anfrage nicht mitteilen. Das Unternehmen versichert jedoch: „Es gibt regelmäßige Wartungsintervalle.“ Mit den baulichen Mängeln im Bahnhof Celle, die seit Monaten für einen Stillstand der Sanierungsarbeiten sorgen, habe die Fahrstuhlpanne in keinem Zusammenhang gestanden.

Über weitere Liftausfälle in Celle machte die Bahn keine Angaben. „Die alten Unterlagen liegen uns nicht mehr vor“, heißt es auf Anfrage. Die Einsatzliste der Feuerwehr Celle ist dagegen noch verfügbar. Demnach mussten die Einsatzkräfte 2016 dreimal zum Bahnhof ausrücken, um Personen aus einem Fahrstuhl zu befreien – immer in den Abend- oder Nachtstunden. 2017 gab es bisher nur diese eine Technische Hilfeleistung. „Wir können nicht bestätigen, dass solche Fälle häufiger vorkommen“, sagt die Polizei Celle.

Ziemlich vage sind auch die Angaben der Deutschen Bahn bezüglich der weiteren Sanierungsarbeiten in Celle. „Die Baumaßnahme ist sehr schleppend. Weitere Arbeiten sollen im Herbst beginnen“, teilte das Unternehmen gestern mit. Das ist überraschend. Denn noch Mitte September soll Ulrich Bischoping, der Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für Niedersachsen und Bremen, im Gespräch mit dem CDU-Bundestagsabgeordneten Henning Otte eine frühere Sanierung zugesichert haben. „Die diesen Teil ausführende Firma wird noch im September beginnen, und die Arbeiten voraussichtlich Ende Oktober oder Anfang November abschließen“, heißt es in einer Pressemitteilung aus Ottes Wahlkreisbüro kurz vor der Bundestagswahl.