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Celle Stadt Bahnhofsmission Celle: "Frieden fängt beim Frühstück an"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bahnhofsmission Celle: "Frieden fängt beim Frühstück an"
16:36 23.12.2016
Während die Gäste der Bahnhofsmission frühstückten, spielte Karlheinz Junghänel auf seiner Mundharmonika Weihnachtslieder. Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Pastor Arthur Wecker sagt es mit den Worten von Hanns Dieter Hüsch: „Der Frieden fängt beim Frühstück an. Es sind die kleinen Dinge im Leben, mit denen Großes beginnt.“ So erblickte auch das Christkind in einem Vorort von Jerusalem das Licht der Welt, wo alles Noble gefehlt hat. „Schon beim ersten Schluck aus der Kaffeetasse kann der Tag zu etwas Gutem werden“, betont Wecker und eröffnet das Frühstücksbuffet, das zwölf Ehrenamtliche zusammengestellt haben.

Dazu stimmt Karlheinz Junghänel Weihnachtslieder an. Die Mundharmonika habe ihm ein Bekannter geschenkt. „Nach 40 Jahren Pause habe ich wieder angefangen zu spielen“, erzählt der 68-Jährige stolz. „Wenn man das einmal gelernt hat, vergisst man es nicht mehr.“ Er spielt nach Gehör, auch wenn mal ein Ton daneben geht. Junghänel kommt regelmäßig mit seinem Rollator in die Bahnhofsmission.

Wie jeder Gast bekommt er hier bei jedes Mal zwei Tassen Kaffee oder Tee und zwei Scheiben Brot oder Kuchen. „Auch wenn es in Deutschland 101 Bahnhofsmissionen gibt und wir seit 66 Jahren in Celle Reisehilfen anbieten, kennen uns noch nicht alle“, betont Brückner. „Viele Senioren quälen sich immer noch zum Bahnsteig hoch.“

Am Tag wärmen sich rund 55 Gäste in der Bahnhofsmission auf. Dazu gehören etwa zwölf Reisende. Die anderen Besucher sind Bedürftige, die Kontakt suchen. 20 Gäste kommen sogar jeden Tag in die Bahnhofsmission. „Das sind Menschen, die am Rande der Gesellschaft leben“, sagt Brückner. „Früher musste man nach Hamburg fahren, um Bettler auf der Straße zu sehen. Heute habe ich in unserer Altstadt den Eindruck, dass sie an jeder Ecke sitzen.“

Inzwischen gibt es in Celle rund 170 Obdachlose, die wenigsten schlafen unter der Brücke. Der Großteil kommt bei Bekannten unter, muss aber mit der Ungewissheit leben, jeden Tag vor die Tür gesetzt werden zu können.

Im vergangenen Jahr haben die Stammgäste nur ein kleines Geschenk in die Hand gedrückt bekommen. Dieses Jahr erhält jeder einen roten Beutel von Friseurmeisterin Petra Kuske. Sie hat mit zwei weiteren Helferinnen eingekauft: „Alles, was man so im Alltag braucht: Duschgel, Taschentücher, aber auch mal ein Würstchen.“

Überschwänglich bedanken sich die Besucher für das Geschenk. „Es ist schön, ein Funkeln in die Augen zu zaubern“, sind sich alle Helfer einig.

Von Dagny Rößler