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Celle Stadt Bald weniger Nieten in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bald weniger Nieten in Celle
10:50 30.09.2016
Von Michael Ende
Überflüssiges Auslaufmodell: Nieten in der Celler Schuhstraße. Quelle: Michael Ende
Celle Stadt

„Straße der 1000 Nieten“ – dieser Spitzname passt zur Schuhstraße, seitdem sie 2005 für den Autoverkehr geöffnet wurde. Die Metallnägel sollten dafür sorgen, dass sich Fußgänger und Fahrzeuge nicht in die Quere kommen. Eigentlich ist diese „Vernagelung“ total überflüssig, denn schließlich haben Passanten in dieser „Spielstraße“ immer Vorfahrt – zumindest sollte es so sein.

WG-Fraktionschef Torsten Schoeps hat beantragt, dass die „silberfarbenen Noppen entfernt werden: „Seit die gegenläufige Befahrbarkeit auch für Fahrräder ermöglicht wurde, kommt es regelmäßig zu gefährlichen Begegnungssituationen, insbesondere mit Kraftfahrzeugen. Die Fahrräder können nicht an den äußersten Rand ausweichen, da sich dort die Noppen auf der Fahrbahn befinden und es dadurch zu Sturzgefahren kommt. Eine Fahrbahnrandmarkierung in dieser Straße ist nicht unbedingt erforderlich; falls doch, dann in entsprechend unfallsicherer Form.“

Die Verwaltung findet die Idee gut. Die Markierungsnägel seien im Zuge der Einrichtung des Inneren Rings installiert worden, um zu verdeutlichen, dass im Bereich der ehemaligen Fußgängerzone nunmehr Fahrzeugverkehr stattfinde, heißt es aus dem Rathaus: „Unter Berücksichtigung der vielfältigen Nutzungen wurde die Schuhstraße als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen. Diese Ausweisung beinhaltet, dass die gesamte Verkehrsfläche von allen Verkehrsarten gleichberechtigt genutzt werden kann.“

Im Grunde, so die Einsicht der Verwaltung, brauche man die Nieten gar nicht: „Die zulässige Höchstgeschwindigkeit ist Schrittgeschwindigkeit, eine separate Markierung der Fahrbahn ist nicht erforderlich. Ausgewiesene Stellplätze müssen hingegen durch Markierung erkennbar sein. Da die Markierungsnägel im Fahrbahnrandbereich auch die Verkehrssicherheit für Fußgänger insbesondere Sehbehinderten und Fahrradfahrer reduzieren, schlägt die Verwaltung vor, diese zu entfernen. Hierdurch können auch überhöhte Fahrgeschwindigkeiten reduziert werden.“

Der Stadtrat hat jetzt beschlossen, dass die Nägel verschwinden sollen. Ein anderer WG-Antrag wurde hingegen abgelehnt. Die WG hatte gefordert, dass die Verwaltung Mittel und Wege finden sollte, den Anwohnern im Bereich der Fußgängerzone eine Möglichkeit der Zufahrt zu ihren Wohnungen zu eröffnen. Dieser Vorstoß der WG sei völlig überflüssig, so Stadtbaurat Ulrich Kinder: „Für Liefer- und Ladeverkehre in der Zeit von 18 Uhr bis 10.30 Uhr steht deutlich mehr Zeit für die dadurch berechtigten Anlieger und Gewerbetreibenden zur Verfügung als für die eigentlich vorgesehene Fußgängernutzung. Die verbleibenden siebeneinhalb Stunden tagsüber nur für Fußgänger werden von vielfältigen Sondernutzungen und Veranstaltungen flankiert."

Im Integrierten Parkraumkonzept der Stadt Celle, das 2015 in den Ratsgremien erörtert worden sei, habe man festgestellt, dass der private Stellplatzbedarf im Untersuchungsgebiet inklusive Innenstadt gedeckt sei, so Kinder: „Insofern erübrigt sich eine Diskussion darüber, ob das Parken in Fußgängerzonen für Anwohner allgemein zugelassen werden sollte.“ Ob im Zuge des demografischen Wandels die strukturellen Anforderungen an die Innenstadt, insbesondere für das wohnungsnahe Anwohnerparken, neu definiert werden müssten, sollte bei einer Fortschreibung der entsprechenden Stadtentwicklungskonzepte Mobilität und Wohnen erörtert werden.