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Celle Stadt Bankenprozess: Ehemalige Chefin sagt als Zeugin aus
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bankenprozess: Ehemalige Chefin sagt als Zeugin aus
17:51 08.06.2011
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„Jahrelang gab es keinen Anlass zu Beanstandungen in unserer Geschäftsstelle“, betonte Irene Ripp. Im vergangenen Jahr habe es dann zum ersten Mal ein „sehr ernstes Gespräch mit dem Kollegen“ gegeben. Denn nicht zum ersten Mal hatte der 49 Jahre alte Bankkaufmann Kunden großzügige Dispositionskredite eingeräumt. „Aber nie mehr als 500 Euro“, beteuerte der Angeklagte - „wenn es den Kunden kurz vor dem Monatsersten drückte.“

Am zweiten Prozesstag versuchte die 2. Große Strafkammer die Arbeitsweise des Geldinstituts zu erhellen. Dabei ging es um die Frage, wie ein einfacher Bankangestellter in einem Zeitraum von zehn Wochen erhebliche Summen in kleinen Beträgen unterschlagen konnte. Dazu befragte die Kammer neben der ehemaligen Geschäftsstellenleiterin, die sich inzwischen gegen ihren früheren Arbeitgeber mit einer Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht zur Wehr setzt, auch den Leiter für interne Revision aus Hannover nach Arbeitsabläufen. Stundenlang sprach dieser über Arbeitsanweisungen, Sicherheitsmechanismen wie das Vier-Augen-Prinzip, das Aufnehmen des Kassenbestands bei der Kassenübergabe im Urlaubsfall, Zufallskontrollen und Warnfunktionen in der elektronischen Datenverarbeitung.

Im September habe ihm eine Beanstandung vorgelegen, sagte der Leiter. „Da ging es um Überziehungskredite, Dispositionen und Kompetenzüberschreitungen“, berichtete der 44-Jährige. „Der Angeklagte hatte in den vielen Jahren ausreichend Erfahrung gesammelt, um Schwächen des Systems auszunutzen.“

Akribisch hatte die Staatsanwaltschaft fehlende Geldbeträge und Buchungen aufgelistet, um den Vorwurf der Unterschlagung zu untermauern. Der Vorsitzende wies den Angeklagten nun darauf hin, dass auch Diebstahl oder veruntreuende Unterschlagung in Betracht käme. Dabei soll der Mann nicht das ganze Geld für sich behalten haben, sondern erhebliche Beträge einem Bankkunden übergeben haben.

Dieser sitzt nun wegen des Vorwurfs der Hehlerei und Anstiftung mit auf der Anklagebank. Er behauptet aber, das Geld als Darlehen entgegengenommen zu haben. Nach einem ersten Gespräch mit dem angeklagte Bankkaufmann war die Geschäftsleitung zunächst von Erpressung ausgegangen.

Von Angelika Jansen