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Celle Stadt Bedürftigkeit kennt auch in Celle keine Feiertage
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bedürftigkeit kennt auch in Celle keine Feiertage
15:24 23.12.2016
Frank Schrader hat sich für Weihnachten von den Tafel-Mitarbeiterinnen Bärbel Geiger (links) und Barbara Oldach noch einen Blumenstrauß mitgenommen. Faisal Hassan freut sich über eine Weihnachtspuppe, seiner Mutter bringt der Junge einen Kalender mit. Quelle: Oliver Knoblich
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Seit einem Jahr deckt sich Salé an diesem Ort regelmäßig einmal pro Woche mit Lebensmitteln ein. „Das ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, dass ich hier Freunde und Bekannte treffe“, berichtet er. Es fällt auf, dass viel miteinander geredet wird, man kennt sich, oft ist die Begrüßung sehr herzlich. Viele der rund 50 Abholer, wie die ehrenamtlichen Mitarbeiter sie nennen, sind mit gefülltem Rucksack oder Einkaufsrollwagen noch schnell abgebogen zur Blumenkiste, die ein bisschen abseits der Ausgabetheke steht, und haben sich einen Strauß ausgesucht.

„Diese Kiste steht hier immer“, erläutert Frank Schrader, der sich heute für einen Bund weißer Rosen mit einer Amaryllis in der Mitte entschieden hat. „Mit Weihnachten hat das nichts zu tun“, fährt er fort. Das trifft insgesamt auf das Warenangebot und die Abläufe bei der Tafel zu. Es gibt nichts Besonderes zum Fest. Einige Kinder begleiten ihre Eltern, ein Spielzeug wartet nicht auf sie, nur der kleine Faisal hat Glück, eine kleine Weihnachtspuppe darf er mit nach Hause nehmen.

„Erst nach Weihnachten landet mehr bei uns. Was von der überbordenden Auslage zu den Feiertagen nicht verkauft wurde, kommt dann hierher. Dann kann ich mich auch mal auf ein Stück Lachs freuen“, erzählt Schrader, der Heiligabend zunächst mit seinem Hund alleine seine wird. „Wenn er dann zufrieden ist, gehe ich spät noch zu einer Party.“ „Das reicht jetzt über die Festtage hinaus“, freut sich Nils Freitag (Name geändert), der als einer der ersten in den Ausgaberaum durfte und einige Produkte aus der Tasche holt. Eine Ananas liegt oben auf und auf das Heilkräuterbad weist er lachend hin.

„Ich warte ab, wenn meine Geschwister nicht im Winterurlaub sind, dann rufen sie mich an, dann verbringe ich den Heiligabend mit ihnen. Wenn sie verreisen, mache ich mir Rouladen mit Wirsingkohl dazu. Ich nutze alles, was ich hier bekomme. Ich koche sogar die Schalen aus für eine Brühe“, erzählt er und zieht mit seinem voll bepackten Rucksack von dannen.

Von Anke Schlicht