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Celle Stadt Beeindruckende neue Klänge in St. Ludwig
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Beeindruckende neue Klänge in St. Ludwig
17:31 25.04.2016
Celle Stadt

Früher war der einzige Ort in der Region, an dem es zeitgenössische Musik zu hören gab, die inzwischen nicht mehr existierende Kulturinitiative „Randlage Eschede“, heute wird gelegentlich mal hier oder da etwas Modernes in die „normalen“ Programme gemischt, weil man festgestellt hat, dass die Celler doch oft durchaus offen sind für Neues. In St. Ludwig hat nun der katholische Chefkirchenmusiker Celles, Klaus-Hermann Anschütz, in seiner Reihe „Nachtklänge“ auf neue Klänge gesetzt. Er hat dabei, sieht man einmal von wenigen Abgängen in der Pause ab, eine sehr positive Resonanz erreicht.

Am überzeugendsten wirkten die neuen Stücke, gleich ob von Luciano Berio, von Ehsan Ebrahimi oder von Anschütz selbst, wobei sich Anschützens neuestes Werk für Sopran und E-Piano vielleicht am schwersten erschloss. Die auf Mozarts „Dissonanzenquartett“ Bezug nehmende schreitende Akkordbewegung am Tasteninstrument vermittelte in Anschützens Version wenig innere Konsequenz. Das gleichfalls uraufgeführte Stück von Ebrahimi für Sopran, Santur – persisches Hackbrett – und Elektronik faszinierte in höchstem Maße, weil sich die Konstruktion dieser Musik sehr wohl beim Hörer in Emotion umwandeln ließ. Die Live-Elektronik bereicherte hier einmal wirklich in höchstem Maße.

Höhepunkt des Abends war „Sequenza III“ von Luciano Berio in der Interpretation von Sopranistin Sophia Körber. Sie fasste das Stück geradezu komödiantisch auf und spielte zu ihrem hochvirtuosen Gesang und Sprechgesang eine Abfolge von Szenen, die fast wie eine Hommage an Rossinis Komödiantik wirkte. Wie das Körber umgesetzt hat, das ließ in jeder Hinsicht positiv aufhorchen. Und so ganz nebenbei: Körber hat eine auffallend schöne Stimme. Diese Folge der „Nachtklänge“ war ein Erfolg.

Von Reinald Hanke