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Celle Stadt Begegnung mit Laser-Flitzern im Kunstmuseum Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Begegnung mit Laser-Flitzern im Kunstmuseum Celle
18:48 09.02.2014
In die Menge der Zuschauer hinein bewegten sich die Roboter mit ihren gebündelten, in Wadenhöhe durch den Raum - wandernden rot gleißenden - Laserlichtstrahlen. Quelle: Jan-Gerd Reents
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Es hatte etwas vom „Krieg der Sterne“, wie jemand im Publikum munkelte, als die Lichtkünstlerin Margarete Hesse am Freitagabend in der verdunkelten, von Nebelschwaden durchzogenen Ausstellungshalle des Kunstmuseums Celle ihre sechs Roboter auf die Besucher losließ. Die rund 70 Zuschauer hatten zuvor quasi eine Manege gebildet.

Und dort hinein bewegten sich nun nach und nach die Roboter mit ihren gebündelten, bedrohlich anmutenden, in Wadenhöhe durch den Raum wandernden rot gleißenden Laserlichtstrahlen, eroberten den Raum, besetzten ihn und loteten ihn quasi aus. Die Besucher wiederum stellten sich den Robotern in den Weg und beeinflussten unmittelbar deren Wege, so wie auch ein Rasenroboter von einem Hindernis aus seiner Bahn gebracht wird.

Extra für die Lichtkunst-Ausstellung „Scheinwerfer“ hatte Hesse diese interaktive Laser-Installation mit dem Titel „Irrlichter“ entwickelt. Eine Show, die bewusst zu interaktiven Begegnungen mit dem Licht anregen sollte. Denn nur kontemplatives Bewundern und Betrachten der „frechen Laser-Flitzer“ aus sicherer Entfernung war hier nicht angesagt. Vielmehr wurden die Besucher selbst zu Protagonisten in dieser interaktiven, erlebnisorientierten Installation und hatten dabei Gelegenheit, sich dem Licht, dem sie in der „Manege“ unmittelbar und körpernah begegneten, zu nähern und es sogar zu berühren. Ein gewissermaßen aktives Experimentieren mit dem „Material“ Licht.

Und ein spannendes Erleben. Hielt der eine oder andere zunächst noch wie bei einer Mutprobe zögerlich und abwartend einen Fuß oder ein Bein in den Laserstrahl, folgte schon bald die erste Hand, wobei der gebündelte rote Lichtstrahl auf der nackten Haut eine gleißende, rot glühende Reflexion verursachte und den Anschein erweckte, als würde sie an dieser Stelle durchbohrt. Natürlich spielte die Farbe des Laserstrahls dabei eine wesentliche Rolle. Hesse nutzt gerade deshalb ausschließlich die Farbe Rot, weil diese sich am intensivsten mit Emotionen auflade und ein besonders starkes Assoziationspotenzial entfalte, wie die Künstlerin vorab im Gespräch mit der CZ beschrieb: „Glühendes Rot symbolisiert das Herz und die Liebe, Erotik, Sinnlichkeit und wohlige Wärme, aber gleichzeitig auch hitzige Glut und zerstörerisches Feuer sowie Blut und Verletzung.“ So vermögen die rubinroten Laser-Installationen Emotionen zu wecken, die sich „einerseits zwischen Faszination und Attraktion und andererseits zwischen Gefährdung und Bedrohung“ bewegen.

Es war eine faszinierende Show, weit entfernt von vordergründigem Spektakel und ganz im Sinne der Künstlerin: Keine kunterbunten Zaubereien oder hektischer Linienzauber, wie man es aus flirrenden Laser-Shows kennt, sondern fließendes Licht in reduzierten, ästhetischen Installationen, die eine interaktive Auseinandersetzung des Betrachters mit dem Laserlicht ermöglichen. Eine Show, bei der die Laserstrahlen in doppelter Hinsicht zum „roten Faden“ wurden.

Von Rolf-Dieter Diehl