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Celle Stadt Bei Halliburton schätzt man deutsche Gründlichkeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bei Halliburton schätzt man deutsche Gründlichkeit
07:31 24.11.2014
Von Oliver Gatz
„Ticken wie ein US-Großunternehmen“: Halliburton an der - Hans-Heinrich-Warnke-Straße in Celle. Quelle: Benjamin Westhoff
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„Es ist ein teurer Spaß, wenn es im Bohrloch Probleme gibt“, erläutert der ehemalige Halliburton-Mitarbeiter. Er sieht gute Chancen, dass angesichts der hochqualifizierten Fachkräfte, über die auch Baker Hughes in großer Vielzahl verfügt, Halliburton in Zukunft sein Personal in Celle schulen lässt.

Allerdings pflege Halliburton eine andere Unternehmenskultur als beispielsweise Baker Hughes. „Deutschland interessiert Halliburton überhaupt nicht“, meint der Insider. „Die sagen sich: Was die können, können wir auch.“ Eben typisch amerikanisch.

„Die bauen und machen alles selber in den USA“, fügt ein anderer Branchenkenner. hinzu. „Die ticken wie ein US-Großunternehmen. Das Gehirn und die Expertise sind bei den Amerikanern. Das, was sie in Celle bei Baker vorfinden, wird ihnen möglicherweise nicht gefallen.“

Gleichwohl gehen alle Experten davon aus, dass es gute Chancen zum Erhalt beider Celler Standorte gibt. Sie seien „sehr sicher“, meint ein Insider. Die Unternehmen würden sich im Gegensatz zur weltweiten Situation in Celle „hundertprozentig“ ergänzen und nicht miteinander konkurrieren.

Angesichts des dramatischen Preisverfalls beim Öl betreibe Halliburton mit der Übernahme von Baker Hughes nun das, was US-Branchenprimus Schlumberger bereits getan habe – den Zukauf kleinerer Unternehmen, um Synergieeffekte und Einsparungen zu erzielen.

Weltweit hat Halliburton in der Vergangenheit immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Das Unternehmen, das 1919 im texanischen Dallas gegründet wurde und heute seinen Sitz in Houston und Dubai hat, stand wegen fragwürdiger Geschäfte mit Ländern wie Libyen, Irak und Iran in der Kritik. Der ehemalige US-Vizepräsident Dick Cheney war von 1995 bis 2000 Vorstandsvorsitzender von Halliburton. Er soll 2005 als US-Vizepräsident von dem Unternehmen mehr Geld erhalten haben als für seine Regierungstätigkeit. Halliburton bekam zudem für den Irak ohne öffentliche Ausschreibung hoch bezahlte Exklusivverträge von der US-Regierung zugesprochen.

Zudem war Halliburton wesentlich beteiligt an den Arbeiten auf der Bohrplattform Deepwater Horizon, die in Flammen aufging und sank. Dies führte 2010 zur Ölpest im Golf von Mexiko. Laut dem US-amerikanischen Justizministerium hat Halliburton 2013 die Vernichtung von Beweisen in diesem Fall eingestanden.