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Celle Stadt „Bekloppste“ Celler stehn auf Polka-Power
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Bekloppste“ Celler stehn auf Polka-Power
17:32 31.10.2016
Von Michael Ende
„Chackedicht“ und extrem gut drauf: Pawel Popolski, der alteste Enkel von Opa Piotrek, an der Koffer-Schießbude. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Mit Kofferschlagzeug, Piano und vielen, vielen Flaschen Wodka ist Pawel Popolski, der alteste Enkel von Opa Piotrek, vom polnischen Zabrze aufgebrochen, um neue, unerchorte Geschichten aus der Welt der Popmusik zu erzählen. Den Wodka teilt er gerne und immer wieder mit den Cellern, die es genießn, von umwerfend radebrechend-polonisierendem Achim Hagemann auf eine Reise durch der Musikgeschichte mitgenommen zu werden. Auch wenn er „chackedicht“ und fast allein auf der Bühne ist, schafft es Popolski, die Celler per Polka in den Mikrokosmos seiner pseudo-polnischen Musikerfamilie eintauchen zu lassen – ach was: „Reinzuschmeiße, dass der Bandscheiben rausknallen.“

Im Gepack hat er jede Menge Geschichten aus der Welt der Popmusik. So erfährt das staunende Publikum, wie sich Opa Popolski von der Natur inspirieren ließ und einen neuen Musikstil erfand, in dem uberhaupt nicht gesungen, sondern nur geredet wird: der Rapsmusik. „De hibbi, de hubbi, de hip und de hop. Und de raps.“ Rapsmusik. Hagemann brilliert als „scheisenlustiger“ Musiklehrer, den jeder gerne in der Schule gehabt hatte. Er demonstriert außerdem am Schlagzeug, warum die Polka allen anderen Musikgattungen energetisch überlegen ist: „Da geht sofort ab der Post, da knallt der Putz von der Decke. Bei der Jazz falle ich direkt in der Tiefschlafphase.“

Ohne Polka gabe es bis heute keinen Pop, so Popolskis These. Schlimme Rhythmen wie Jazz, Mambo oder Walzer, die er vorfuhrt und an den Pranger stellt, wirken gegenüber der Polka voll langweilig: Besonders der Walzer ist für den Schlagzeuger Popolski nur eine „verhunzete“ Variante der Polka: „Da kommt der Stimmung nicht an der Laufen.“

Die schonste Frau Polens, Popolskis „Cousinetschka Dorota“, vierzehnmalige Miss Zabrze, singt die schonsten Hits ihres Opas und sucht im Publikum den Mann fürs Leben – denn zu ihrem großen Leidwesen ist sie noch immer solo. Aus dem Plattenbau in Zabrze wird der jungste Bruder Janusz Popolski per Skype live in die Show geschaltet und macht seinem Ruf als der „trubste Tasse der Familie“ alle Ehre. Wann endlich lernt er dem „sch…ßen Instrument“ zum Spielen? Dorota alias Iva Buric Zalac besingt den Zloty sowie Worte wie “Kontovollmacht” und “Aktienpaket” außerst erregend. An solchen polnischen „Sexi Bombas“ hat sich schon so mancher dem Finger verbrannt.

Warum das unterhaltsam und lustig ist? Das muss man selbst erlebt haben. Die (oder besser: der) Popolskis haben gezeigt, wie man einen ganzen Saal unterhalten kann, indem man sich ohne Umlaute, dafür aber mit im Hals steckenbleibenden „Chs“ sowie mit dem superdominanten Artikel „der“ und mit „a whole lotta Polka“ gekonnt durch die Geschichte der Popmusik kalauert. Wie der Dorota so schon gesungen hat: „You’ve got to fight for you right – to polkaaa!” Den (der) Versuch ist es wert.