Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Bemerkenswerter Roman mit Tiefgang
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bemerkenswerter Roman mit Tiefgang
18:43 05.11.2018
Nach seiner Lesung gab Hans Pleschinski fleißig Autogramme. Quelle: Doris Hennies
Celle

„Es konnte kein heiterer Roman werden, bei dieser Thematik und der entsprechend gewählten historischen Zeitspanne“, machte der Autor Hans Pleschinkski gleich zu Beginn seiner Lesung in der Celler Buchhandlung Decius deutlich. Dennoch fehlt es dem Buch nicht an amüsanten Passagen – selbst wenn diese aus skurrilen Launen des Schicksals und einem Hang heraus entstehen, unschöne Dinge geflissentlich zu übersehen. Die besten Geschichten, so heißt es, schreibt das Leben selbst.

Für den stark biographischen Roman „Wiesenstein“, in dem es um die letzten knapp eineinhalb Lebensjahre von Gerhard Hauptmann geht, gilt das in besonderem Maße. Hans Pleschinski hat darüber hinaus, mit seinem einnehmenden, brillianten Erzählstil, ein Werk geschaffen, das den Leser in seinen Bann zieht und nicht mehr loslässt. Klug, kompetent, aber ohne prätentiöse Schnörkel – vor allem aber ohne kommentierende Wertung – erzählt er „von gleich drei Untergängen: dem Ende des zweiten Weltkriegs, dem Ende des deutschen Schlesien und vom Ende des Schriftstellers Gerhard Hauptmann“ (und einer Ära des Bildungsbürgertums, gewachsen im Zuge der freiheitsbetonten Weimarer Republik). Die Meinung soll – und kann sich (dank dem Einfließen umfangreicher, seriöser Recherchen) der Leser selber bilden.

In den vom Autor ausgesuchten Teilstücken der Lesung aus „Wiesenstein“ (benannt nach Hauptmanns Villa in Schlesien) nahm Pleschinksi seine Zuhörer mit auf Stippvisiten einer Zeitreise in das Jahr 1945. Erste „Station“: kurz nach dem „Feuersturm“, dem großen Angriff der Alliierten auf Dresden. Gerhard Hauptmann (schon über 80) und seine zweite Frau sind zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit in einem Luxussanatorium am Rande der Stadt, als die Bomben fallen – auch das Kurhotel bleibt nicht verschont. Zwar werden die beiden nicht lebensbedrohlich verletzt, aber der gebrechliche Schriftsteller ist so traumatisiert, dass er zunächst nicht transportfähig ist. Es wird evakuiert – und nur ein Gedanke lässt den Dichter letzte Kräfte mobilisieren: Er will zu Hause sterben. Und so macht sich ein kleines Grüppchen Reisender gegen den Flüchtlingsstrom auf, zurück in die Villa im Riesengebirge.

Später erzählt und liest Pleschinski noch vom Leben auf dieser „noch funkelnden Titanic“, lässt Bilder vom unsagbaren Leid und der Verwüstung einerseits und dem so grotesk anmutenden Alltag auf Wiesenstein andererseits entstehen. Rückblicke machen nicht nur das Geschichtliche in der Geschichte nachvollziehbarer. Am Ende bestätigen im Publikum anwesende Zeitzeugen seine „wirklich authentische Schilderung“ eines der dunkelsten Momente deutscher Geschichte: ein bemerkenswerter Roman mit Tiefgang.

Von Doris Hennies

Dem lokalen Handwerk geht es gut. In einer Konjunkturumfrage der Handwerkskammer bewerteten 67 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut.

Gunther Meinrenken 05.11.2018

Durch das Drehen an der Parkgebühren-Schraube das Leben in der Altstadt anzukurbeln – das haben schon viele versucht. Jetzt will die AfD, dass jeder in der City eine Stunde lang kostenlos parken darf.

Michael Ende 05.11.2018
Celle Stadt Konzert in CD-Kaserne - Zeitlos moderne Indie-Ikone

Phillip Boa and the Voodooclub räumten bei ihrem Konzert in der Celler CD-Kaserne voll ab. Es war ein Fest für Indiepop-Gourmets:

Michael Ende 05.11.2018