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Celle Stadt Berufeserie: Mit Weitblick für den Celler Wald
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Berufeserie: Mit Weitblick für den Celler Wald
17:06 21.07.2017
Die weißen Ringe markieren die „Rückegasse“, die roten Punkte die „Zukunftsbäume“: Die bleiben stehen. Im Kiefernwald werden auch Douglasien und Buchen angepflanzt. Hans-Jürgen Thies kontrolliert die jungen Pflanzen. Quelle: Peter Bierschwale
Celle Stadt

Die Aufteilung der Revierförstereien und der zuständigen Forstämter ist für einen Außenstehenden zunächst recht unübersichtlich, denn für den Landkreis Celle gibt es zwei Forstämter: Für den südlichen Teil des Landkreises Celle ist das Forstamt Fuhrberg mit den Revieren Celle, Hänigsen und Ovelgönne zuständig, für den nördlichen Landkreis das Forstamt Unterlüß.

Die Revierförsterei Ovelgönne liegt komplett im Landkreis Celle und umgibt Hambühren und Ovelgönne. Hans-Jürgen Thies ist seit 1991 Förster und leitet das Revier Ovelgönne seit 2014. Er stamme aus der Landwirtschaft und sei aus Liebe zur Natur Förster geworden, erzählt Thies. Das am Ortsrand von Ovelgönne liegende Forsthaus wurde verkauft, das Revier wird seither von Winsen aus geleitet.

„Das Revier hat eine Größe von 1850 Hektar und ist ein reines Kiefernrevier“, erklärt Thies: „Wir liefern 9000 Festmeter Holz pro Jahr.“ Nach dem großen Waldbrand von 1975 zwischen Eschede und Celle wurde von der Öffentlichkeit gefordert, die Kiefern-Monokulturen wegen der besonderen Waldbrandgefahr durch Mischwälder zu ersetzen. Doch Hans-Jürgen Thies sieht das skeptisch: Das Revier Ovelgönne verfüge hauptsächlich über „arme Standorte“, und allein die Kiefer komme „mit den Sandböden klar“. Es sei Aufgabe der Förster, „standortgerechte Baumarten“ anzupflanzen, und das sei in seinem Revier nun einmal die Kiefer. Erst nach mehreren „Waldgenerationen“ sei der Boden auch für andere Baumarten geeignet. Seit Ende der 80er Jahre könnten deshalb auch Roteichen, Buchen und Douglasien zwischen die Kiefern gesetzt werden.

Förster denken extrem langfristig in Generationenverträgen: Die Bäume, die heute geschlagen werden, wurden vor etwa 50 bis 140 Jahren gepflanzt. Und die Entscheidungen, die heute getroffen werden, wirkten sich wiederum für rund 100 Jahre auf die kommenden Generationen aus. Er selbst, sagt Thies, ernte heute das, was seine Vorgänger angepflanzt hätten. Alle zehn Jahre erstellen die Fachleute eine „Bestandsinventur“. Darin wird der Baumbestand jedes Reviers festgestellt und ein Zehn-Jahres-Plan aufgestellt, Dieser Plan werde jedoch nicht „sklavisch“ abgearbeitet, sondern etwa alle drei Jahre überprüft, erklärt Thies. In diesem Plan wird festgelegt, was in den kommenden Jahren mit den verschiedenen Beständen unternommen werden soll. Es handelt sich um einen Kreislauf von vielen Jahrzehnten, und die geplanten Maßnahmen sollen einen gesunden und ertragreichen Bestand sichern: Pflanzung – Jungwuchspflege – Jungbestandspflege – Durchforstung – Holzernte – und schließlich wieder Anpflanzung.

Eine seiner Hauptaufgaben bei der Jungwuchspflege sei es, dafür zu sorgen, dass die jungen Bäume nicht von der „Konkurrenzvegetation“ verdrängt oder geschädigt würden. Dazu zählt Thies die Traubenkirsche, die Birke und den Adlerfarn. Besonders die Traubenkirsche, die früher sogar zur Holzproduktion auf „armen Standorten“ angepflanzt wurde, ärgert die Forstwirte, denn ihre unkontrollierte Ausbreitung wurde nicht vorhergesehen.

In den Wäldern fallen zwei Markierungen an den Bäumen auf: Da sind zum einen die roten Punkte: Das sind die sogenannten „Zukunftsbäume“. Es sind die gesündesten und schönsten, die bis zur abschließenden Holzernte stehen bleiben dürfen, während die anderen Bäume nach und nach herausgenommen werden, weil die Zukunftsbäume im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Platz benötigen. Zum anderen finden sich in Abständen von 20 Metern noch Reihen von Bäumen mit weißen Ringen: Hier gehen die „Rückgassen“ von den Waldwegen ab. Das sind die Wege, auf denen die Holzernte-Maschinen in den Wald einfahren, die Bäume fällen und aus dem Wald „rücken“ können. Eine Arbeit, die früher von Pferden oder Schleppern erledigt wurde. Im Nadelholz-Revier Ovelgönne können die Bäume zu 100 Prozent mit Maschinen gefällt und in Rundhölzer zersägt werden. Das Holz wird dann mit Hilfe von „Tragschleppern“ zu „Holzpoltern“ gestapelt.

Dagegen beansprucht die Jagd nur etwa fünf bis zehn Prozent seiner Arbeitszeit, schätzt Thies. Sein Revier habe 350 Hektar an drei Pachtjagden vergeben. Außerdem gebe es fünf große Gesellschafts- oder Drückjagden. Wenn er selbst jage, dann geschehe das meist privat. Die Jagd sei wichtig, um ein Gleichgewicht zwischen der Vegetation und dem Wild aufrecht zu erhalten.

Von Peter Bierschwale