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Celle Stadt Besondere Geschichtsstunde mit Hardy Krüger in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Besondere Geschichtsstunde mit Hardy Krüger in Celle
21:43 17.08.2017
Von Jürgen Poestges
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Der heute 89-jährige Schauspieler und Autor berichtete von seiner Jugend in der Nazi-Zeit. „Eigentlich rede ich gar nicht so gerne über mich. Aber das ist jetzt notwendig, weil mein Schicksal stellvertretend für meine ganze Generation steht.“ Beide Eltern des gebürtigen Berliners waren glühende Anhänger von Adolf Hitler. „Ich wurde schon mit fünf Jahren in die Uniform der Hitler-Jugend gesteckt.“ Auf dem Klavier zu Hause stand eine Hitler-Büste, in der Schule hingen überall Fotos des Führers und von Propaganda-Minister Joseph Goebbels. „Ich konnte dem gar nicht entkommen.“

Auch als Adolf Hitler bei den Olympischen Spielen 1936 in Berlin dem farbigen Athleten Jesse Owens seine Goldmedaillen nicht persönlich umhängte – wie er das bei allen anderen Sportlern gemacht hatte – wurde der junge Hardy Krüger nicht stutzig.

Während seiner Zeit auf der Hitler-Elite-Schule in Sonthofen wurde er zu den Ufa-Filmstudios in Babelsberg gerufen, wo er in dem Film „Junge Adler“ mitspielte. Dabei lernte er den Schauspieler Hans Söhnker kennen. Der fasste soviel Vertrauen zu dem jungen Kerl, dass er ihm anvertraute, dass er und eine kleine Gruppe von Widerständlern Juden aus Deutschland bei der Flucht in die Schweiz halfen.

„Hans Söhnker hat mir erklärt, was Adolf Hitler und die Nazis für Verbrecher waren. Und dass der Krieg eigentlich schon verloren ist.“

„Die Nachfolger-Verbrecher der Nazis sitzen heute wieder in unseren Parlamenten“, klagt Krüger. Das sei keineswegs nur die NPD, sondern auch die AfD. „Seid wachsam, schaut den Politkern auf die Finger. Und geht wählen, sobald ihr es dürft“, appellierte er an die Schüler. „Das hier ist euer Land. Deutschland ist wunderbar, und das kann es nur bleiben, wenn diese Verbrecher wieder aus den Parlamenten verschwinden und wenn wir miteinander reden.“

Was die Nazis mit ihm gemacht haben, habe in ihm Wut zurückgelassen. „Keine Verzweiflung, aber Wut. Und die treibt mich nach wie vor an.“ Er sei nicht der einzige, der warne. „Es gibt einige Kollegen. Wir reisen herum und sprechen von der Wahrheit.“ Das im übrigen nicht nur gegen die extreme Rechte, sondern auch die Linke. Bei einer Veranstaltung habe ihn ein Linken-Politiker für seinen Einsatz gelobt. „Dem habe ich dann gesagt, seine Partei solle erst mal aufarbeiten, was die SED so alles gemacht hat. Wenn ich diese Menschen treffe, sage ich denen schon offen ins Gesicht, was mich im Herzen bewegt.“

Die Nazis seien nie ganz verschwunden gewesen. „Die haben sich nur gut versteckt“, sagt Krüger. Dass sie nun wieder vorlaut werden, habe vor allen Dingen mit der Politik-Verdrossenheit zu tun. „Das sind die Dummen, die lassen sich ganz leicht beeinflussen von solchen Parolen.“

Seit im Jahr 1957 zum ersten Mal nach dem Krieg an einer Kölner Synagoge wieder ein Hakenkreuz auftauchte, ist er mit seiner Mission unterwegs. Die Idee, auch in Schulen zu gehen, ist dem Schauspieler vor fünf Jahren in Wismar gekommen. Nach einer Lesung im dortigen Rathaus aus seinem Buch „Wanderjahre“ erfuhr er, dass ein Lehrer 28 Exemplare des Buches für den Geschichtsunterricht kaufen wollte.

„Er hat dem Buchhändler gesagt, bei den normalen Geschichtsbüchern würden seine Schüler einschlafen. Aber mit meiner Lesung habe er dann ein Buch gefunden, dass er für seinen Unterricht gebrauchen könne.“ Da habe er sich gesagt: Wenn die Schüler nicht zu mir kommen, dann gehe ich eben zu den Schülern. Und die in Celle dankten ihm mit stehenden Ovationen.