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Celle Stadt „Bester Michael Hirte aller Zeiten“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Bester Michael Hirte aller Zeiten“
10:46 13.02.2012
Michael Hirte und Freunde begeisterten das Celler Publikum. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Vieles hat sich seit Hirtes erstem Auftritt in Celle verändert. Alles wurde runder, auch der Künstler selbst. Hirte hat viel dazu gelernt. Er bot eine perfekte Show, indem er sich selbst nicht verbog. Wie bisher, Schiebermütze, Jeans, aber viel lockerer. Voller Witz, suchte er den Dialog zum Publikum, zeigte sich in der Spanne zwischen hilflos verloren und fantastisch offensiv, vor allem, immer liebenswert. Und musikalisch so genial, dass er nach wie vor auf Noten verzichtet. „Ich höre zwei-, dreimal hin, dann treffe ich jede Tonart, den Rhythmus und kann mich „hineinspielen“. Das war schon immer so“, sagt er.

Eröffnet hatte Hirte das Konzert mit dem Frank Sinatra-Welterfolg „My Way“, dem das ebenso bekannte „You raise me up“ (Du baust mich auf) nach der Musik von Rolf Levland folgte. Und um die Fans gänzlich in den Griff zu bekommen, gab es das „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ und „Ännchen von Tharau“ als Zugaben.

Nun war die Zeit reif für Hirtes Freund und „Vize-Supertalent 2009“ Michael Holderbusch. Der stimmgewaltige Bassbariton sorgte mit Australiens bekanntem Volkslied „Waltzing Matilda“, Midnight Lady von Chris Norman und Rod Stewarts „Sailing“ (von Hirte gefühlvoll begleitet ) für Gänsehautfeeling und „Zugabe“-Rufe.

„In der Presse hieß es, Holderbusch habe sich auf mich geworfen. Das stimmt nicht, ich hätte es bei seinem Gewicht auch kaum überlebt. Ich bin sehr dankbar, dass er bei allen meiner 70 Konzerte dieser Tournee dabei ist. Wir sind die Freunde „M. und M.“, aber nicht Marianne und Michael“, klärte Hirte auf.

In seiner Show-Lebensgeschichte, seinem „Weg“, holte Hirte weitere Musiker ins „Boot“, den Ziehharmonika-Virtuosen Bernd, den er in die Straßenmusik eingeführt habe, mit dem er Freddy Quinns „Seemann, deine Heimat“ aufleben ließ. Von der See folgte mit dem sentimental vorgetragenen „Halleluja“ der Wechsel in die Kirche und hinüber zu den älteren Menschen, die vom Krieg und dem Lied der Lily Marleen zu berichten wussten, dass es in so vielen Sprachen gegeben habe. „Ich spiele es auf alle Sprachen vor, ihr müsst nur mitsingen“ scherzte Hirte. So wurde es sehr laut in der Congress Union.

Dann aber wieder mucksmäuschenstill. Der Grund: Hirte hatte Simone Oberstein auf die Bühne gebeten. Die 33-jährige Straßenmusikantin ist mit einer Stimme gesegnet, die geeignet ist, die Trauer über die am Sonnabend verstorbene Whitney Houston mit einer Hoffnung der musikalischen Nachfolge zu bedecken. Obersteins „The Rainbow“ und „Danny Boy“ waren schon Klasse. Das „Love in You“ ist in dieser Reinheit und Präsenz wohl kaum zu toppen. Am „Superstar“ hat Oberstein nie teilgenommen, weil sie „Lampenfieber“ habe und sich nicht traue. Zum Glück traute sie sich, auch im zweiten Teil des Abends auf die Bühne zurück zu kehren, nachdem ihre erste CD „Bei mir“ in der Pause reißend Absatz gefunden hatte. Der „Knaller“ aber war das „Michael Hirte“-Buch für fünf Euro einschließlich einer Mini-Mundharmonika. „Man muss mit der Zunge mächtig arbeiten, dann kann man drauf spielen“, verriet Hirte. Dass es ging, demonstrierte er unter nicht anhalten wollendem prasselndem Applaus.

Von Gert Neumann