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Celle Stadt Bewegende Volkstrauertags-Feier in Celle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bewegende Volkstrauertags-Feier in Celle
19:43 16.11.2014
Von Michael Ende
Kranzniederlegung am Denkmal am Neuen Rathaus (von links): Landrat Klaus Wiswe, Erster Kreisrat Michael Cordioli, OB Dirk-Ulrich Mende und die designierte Kulturdezernentin Susanne McDowell.Sammlungs-Auftakt auf dem Großen Plan (von links): Oberstleutnant Olaf Gericke, Oberstleutnant Jörg Hahn, Dirk Ulrich Mende und Celles Standortältester, Oberstleutnant Hermann Grube. Quelle: Benjamin Westhoff
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„Es war schrecklich und hat mich mein Leben lang beschäftigt“, sagte am Sonntag Margarete Etker am Rande der Gedenkfeier zum Volkstrauertag. Die 91-Jährige erinnerte sich lebhaft an den alliierten Bombenangriff auf Celle am 8. April 1945: „Überall lagen Tote herum, und besonders die Kinder wussten gar nicht, wie ihnen geschah. Ich habe die Flugzeuge kommen sehen und fand die Formation, in der sie flogen, eigentlich beinahe schön - bis die Bomben fielen und das Furchtbare geschah. Das wünscht man keinem.“ Etker war wie die anderen Gäste der Trauerfeier beeindruckt davon, wie Schüler der BBS III/Albrecht-Thaer-Schule das Gedenken gestalteten.

100 Jahre nach der Entfesselung des Ersten Welrtkrieges erinnerte Kristina Hansen daran, wie dieser Krieg die Welt der Kinder auf den Kopf stellte - von „siegfrei“ in der Schule nach deutschen Erfolgen an der Front bis hin zu übelster Kriegs-Propaganda in Kinderbüchern: „Und hätt‘ ich noch ein Schießgewehr, und einen Mörser, groß und schwer, schöss ich mit Kugeln und mit Schrot die Feinde alle mausetot.“

Anita Meister verlas Erinnerungen ihrer Großmutter Franka Ohlhoff. Sie lebte im polnischen Lodz, als gegen Ende des Zweiten Weltkrieges die Flüchlingstrecks nach Westen rollten: „Nun hieß es für mich erwachsen werden. Bei Temperaturen von minus 18 Grad und Schnee traten wir die lange Reise nach Deutschland an. Gegen die Kälte hatten wir nicht mehr als unsere Kleider und Wolldecken. Trotzdem forderte die Kälte ihre Opfer. Mein Cousin, der damals noch ein Säugling war, starb unterwegs an einer Lungenentzündung. Seine Mutter musste ihn im Schnee beerdigen.“ Mit Pferdewagen fuhren sie in Ostpreußen über das Kurische Haff: „Wir sahen viele andere Flüchtlinge, die mit ihren Kutschen im Eis einbrachen, aber wir hatten Glück.“ Sie sei auch Zeugin der Torpedierung der mit Flüchtlingen vollgestopften „Wilhelm Gustloff“ gewesen: „Das Schiff ging unter, und aus der Ferne hörten wir die Schreie der Menschen an Bord. Diese Stimmen werde ich mein ganzes Leben lang nicht vergessen.“

Nach der Kranzniederlegung sprach Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) den Antrag der Grünen an, die gefordert hatten, im Rahmen der Feierstunde auch an das Massaker zu erinnern, das das Celler Infanterieregiment 77 im Ersten Weltkrieg an belgischen Zivilisten verübt hatte: „Es sind nicht die Taten des Regiments, derer wir heute gedenken, sondern generell alle Opfer von Kriegen, die wir betrauern.“

Bereits am Samstag hatte der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge in der Celler Innenstadt seine Sammelwoche begonnen. Zum Auftakt gab es traditionell Erbsensuppe auf dem Großen Plan. An der Sammlung beteiligten sich neben anderen auch Mende und Hermann Grube, Standortältester und Leiter des Ausbildungszentrums C in der Wietzenbrucher Immelmann-Kaserne. Am ersten Tag kamen bereits 1820 Euro zusammen, so die Zwischenbilanz.