Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Bezwingende Eleganz und aufrüttelnde Dramatik
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bezwingende Eleganz und aufrüttelnde Dramatik
16:40 18.04.2013
Genuss für die Zuhörer: - Romantische Symphonien - spielte das Staatsorchester Braunschweig in der Congress Union. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Die bezwingende Eleganz seines expliziten Dirigierstils zu verfolgen und den trefflich inszenierten Klangbildern des Orchesters zu lauschen wurde zum doppelten Genuss. Ungemein fesselnd entfaltete das Ensemble zu Beginn Wagners fragmentarische E-Dur-Sinfonie in seiner ganzen Ausdrucksbreite zwischen stiller Deklamation und ausgreifendem Melos und baute damit einen Spannungsbogen auf, der bis zum Schluss straff gehalten wurde.

Über Clara Schumanns Klavierkonzert a-Moll äußerte seinerzeit der Leipziger Musikkritiker C.F. Becker (1804-1877), dass von einer ernsthaften Kritik an dieser Komposition natürlich keine Rede sein könne, „weil wir es mit dem Werk einer Dame zu tun haben.“ Er hätte wohl spätestens an diesem Abend seine Meinung revidiert: Die als Gastsolistin agierende Konzertpianistin Ragna Schirmer spielte mit so viel Emphase und vollgriffig virtuos, so schwungvoll-selbstbewusst und oktavengewittrig, dass man über die damaligen Vorurteile nur mit dem Kopf schütteln konnte. Und während Schirmer mit begeisternder Virtuosität auf den geheimnisvollen, harmonischen verschlungenen Pfaden dieser Musik geradezu lustwandelte, fragte man sich, warum dieses Stück in den Konzertsälen nur so selten zu erleben ist. Allein das innig-delikate Zwiegespräch des Klaviers mit dem Cello im lyrischen Andante war das Kommen wert. Ein ungemein beseelter Dialog zum Dahinschmelzen.

Welch ein Kontrast zur emotional aufrüttelnden Dramatik in Brahms’ c-Moll-Symphonie, die das Orchester nach der Pause folgen ließ. Einfach mitreißend, wie Mark auf elegante Weise die großen symphonischen Effekte dieses von pathetisch-monumentalem Gestus geprägten Werkes zur Geltung zu bringen wusste, wie er das manisch Bohrende hörbar machte und dann wieder in Legatobögen schwelgte. Von dumpfen Paukenschlägen bis zur Ornamentik der Oboen, vom graziösen Allegretto der Klarinetten und dem Gesang der Solovioline bis zum choralartigen Hörnerklang – von festlichem Schwung getragen führte Mark die dramatischen Entwicklungen und Ballungen dieser Symphonie zu einem großartig ausmusizierten, mitreißenden Finale. Ein Konzert von enormer Tiefenschärfe, in dem jede Regung der Musik für das Publikum zum Erlebnis wurde.

Von Rolf-Dieter Diehl