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Celle Stadt Bilder in Celler Schlosskapelle: Christliche Positionsbestimmung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bilder in Celler Schlosskapelle: Christliche Positionsbestimmung
22:22 05.03.2017
Der Theologe Michael Stier erläutert in der Celler Stadtkirche die Bildtafeln der sogenannten „Werke der Barmherzigkeit“ in der Schlosskapelle. Quelle: Oliver Knoblich
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Am Freitag wurde die Veranstaltungsreihe „BilderKlänge“ in der Celler Stadtkirche fortgesetzt. Das Thema hieß diesmal „Liebe deinen Nächsten“ und stellte – neben historischen Fakten zu Wilhelm dem Jüngeren (Sohn von Herzog Ernst dem Bekenner) – die Bildtafeln der sogenannten „Werke der Barmherzigkeit“ in den Mittelpunkt. Die Bilder des flämischen Malers Marten de Vos sind in der Celler Schlosskapelle so angebracht, dass der Herzog sie von seinem exponierten Platz aus direkt im Blick haben musste. Sie illustrieren die in der Bibel genannten „Akte der Barmherzigkeit“: die Hungrigen speisen, die Durstigen tränken, die Fremden beherbergen, die Nackten bekleiden, die Kranken besuchen, den Gefangenen Hoffnung bringen.

In jedem der in der Kapelle befindlichen Bilder ist Wilhelm zu erkennen, als einer, der die Gebote der Barmherzigkeit umsetzt. Dies, so Juliane Schmieglitz-Otten, dokumentiere auf einzigartige Weise das lutherische Bekenntnis eines Landesfürsten zu seinem Glauben und die im Barock übliche Präsentation von Macht und Herkunft des Hauses. „Man kann davon ausgehen, dass die Abbildungen des Herrschers in den Bildern nicht nur eine nach außen gerichtete Demonstration seines Glaubens waren, sondern auch eine an sich selbst gerichtete Mahnung und die Akzeptanz der daraus entstehenden Verpflichtungen“, so Schmieglitz-Otten.

Auch wenn die Darstellungen allein, so Pastor Stier ergänzend, nicht die tatsächliche persönliche Frömmigkeit beweisen können, so machen sie doch deutlich, dass Wilhelm es als seine große Aufgabe gesehen habe, alle, die ihm anvertraut waren, zur biblischen Glückseligkeit zu führen.

Die Werke sind nicht die einzigen bildlichen Manifestationen des Herzogs in der Kapelle. Es gibt ihn, aus der Bibel vorlesend, in der Schar von Kindern. Ein Bild zeigt ihn fromm kniend und betend – seine Gattin Dorothea, Prinzessin von Dänemark, ihm gegenüber. Und die großen Altarengel halten die Familienwappen. Eine homogene Form von Machtdarstellung und christlicher Positionsbestimmung.

Bis zur großen Reformationsausstellung gibt es noch eine weitere Runde „BilderKlänge“. Am Freitag, 7. April, heißt das Thema „Bilder von Gott“. Beginn ist um 19.30 Uhr in der Celler Stadtkirche, der Eintritt ist frei.

Von Doris Hennies