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Celle Stadt „BilderKlänge“ aus der Celler Schlosskapelle
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „BilderKlänge“ aus der Celler Schlosskapelle
06:52 11.05.2015
Juliane Schmieglitz-Otten und Michael Stier - mit dem Gitarrenduo „Stoyanova“ im Kantoreisaal - der Stadtkirchengemeinde. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Auf zunehmend neugieriges Interesse und ausgesprochene Beliebtheit stößt die Veranstaltungsreihe „Bilder-Klänge“, mit der Juliane Schmieglitz-Otten, die Leiterin des Residenzmuseums, und der Theologe Michael Stier die verborgenen Schätze der (der Öffentlichkeit aus konservatorischen Gründen nicht zugänglichen) Celler Schlosskapelle mit all ihrer „Bedeutungsfülle, Schönheit und Wirkmächtigkeit“ sowohl aus kunsthistorischer als auch aus theologischer Sicht zu erläutern und ihren Sinn zu veranschaulichen wissen.

Im Fokus der Veranstaltung mit dem Titel „Liebe Deinen Nächsten!“ stand diesmal die inhaltliche Beschäftigung mit dem Bilderzyklus „Werke der Barmherzigkeit“ nach dem Matthäusevangelium („Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“), aber auch das spirituelle und meditative Einlassen auf die sieben aufgezählten Handlungen, in denen sich christliche Nächstenliebe äußert. Bilder, die Herzog Wilhelm der Jüngere (1535–1592) in seiner Doppelrolle als Landesherr und Kirchenfürst seinerzeit für die Gestaltung der Kapelle in Auftrag gegeben hat.

Juliane Schmieglitz-Otten beschrieb den ausführenden belgischen Maler Marten de Vos (1532–1603) als Künstler, der den Manierismus, also den „extravagant inszenierenden Stil“ der Spätrenaissance im Übergang zum Barock, auf „ausdrucksvoll dynamisierende“ Weise mit der flämischen Tradition des Realismus verbunden habe. Der nur unschwer als authentische Person erkennbare Wilhelm begegnet seinen Untertanen in den Bildern zwischen „Speisung der Hungrigen“ und „Beherbergung der Fremden“ respektvoll und fürsorglich – quasi als Adlatus, als Erfüllungsgehilfe des ihm dabei immer dezent über die Schulter schauenden Jesus, wie Michael Stier anschaulich erläuterte. Die Bilder, die sich seinerzeit in der Kapelle im unmittelbaren Blickfeld des Fürsten befanden, haben ihm im wahrsten Sinne des Wortes immer vor Augen geführt, welche Verantwortung er habe und was Gott demzufolge von seinem Amt fordere. Und der jeweils auf ihm ruhende Blick Jesu dürfte ihn wohl daran erinnert haben, dass für ihn – trotz oder gerade wegen seiner Machtbefugnisse – „Gottes Wort genauso gelte wie für seine Untertanen“.

Die Vortragssequenzen wurden durch das Gitarrenduo „Stoyanova“ ergänzt. Mit klangsinnlicher Wärme und rhythmischem Feingefühl, dabei luftig leicht und doch voller Tiefgang, entlockten Keti Stoyanova und Boyana Robillard ihren Gitarren herrlich verträumte Latin-Klänge und verstanden sich dabei meisterhaft auf die hohe Kunst der Nuanciertheit und des musikantischen Elans.

Von Rolf-Dieter Diehl