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Celle Stadt Billunger gestalten Gottesdienst: Mördern die Hand reichen?
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Billunger gestalten Gottesdienst: Mördern die Hand reichen?
18:40 22.11.2017
Ein Justizvollzugsbeamter, eine Gefängnisseelsorgerin und der Oberbürgermeister standen Schülern Rede und Antwort. Quelle: Christina Matthies
Celle Stadt

„Ist man wirklich frei, wenn man nach verbüßter Haftstrafe durch die Tür der Justizvollzugsanstalt tritt, oder lässt die Gesellschaft diese Freiheit nicht zu?“, so die Frage, die sich gleich zu Anfang des Gottesdienstes stellte. Schüler der Oberstufe hatten im vergangenen Monat einen verurteilten Mörder in der JVA Celle besucht – und zeigten sich auch Wochen nach diesem Besuch noch tief von dieser Begegnung beeindruckt. „Hättest du ihm am Ende dieses Gesprächs die Hand gegeben und ihm gesagt, er hätte eine zweite Chance verdient, so wie wir es getan haben?“ – nicht nur dieser Gedankenanstoß sorgte im Verlauf der gut einstündigen Veranstaltung für nachdenkliche Gesichter.

Die größte Schwierigkeit bei der Resozialisierung Strafgefangener sei das Bild, das sich die Gesellschaft mache, erklärte Gefängnisseelsorgerin Inge Matern. Gemeinsam mit Oberbürgermeister Jörg Nigge und dem pensionierten Justizvollzugsbeamten Wilfried Weißmann stand Matern den HBG-Schülern Rede und Antwort. „Toll, dass ihr den Schritt gemacht und Kontakt zu einem Gefangenen aufgenommen habt“, lobte sie. „Für diese Menschen ist es wichtig zu wissen, dass sich jemand für sie interessiert.“

Wenn ein familiärer Rückhalt da sei, klappe es zumeist mit der Resozialisierung, wusste auch Weißmann zu berichten. „Und über Sport kann man sich integrieren. Tischtennis, Fußball – egal was.“ Nigge plädierte zudem dafür, Gefangene bereits vor ihrer Entlassung bei der Strukturierung ihres Alltages zu unterstützen, beispielsweise bei der Suche nach einer Wohnung oder einem Job. „Wir als Gesellschaft müssen auf die Menschen zugehen, bevor sie aus dem Gefängnis kommen“, betonte er. Es sei an jedem Einzelnen, zu sagen, ob er Begegnung zulassen wolle oder nicht.

Mit einer kurzen Predigt schlug Gaete einen Bogen zu den christlichen Aspekten der Gefangenenthematik. Liebe auf Gegenseitigkeit, das sei zu einfach, sagte er in Anlehnung an die Bergpredigt. „Nur wer Böses mit Gutem vergilt, ist wirklich frei.“

Von Christina Matthies