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Celle Stadt Biotop mit Dekoration
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Biotop mit Dekoration
17:15 15.07.2014
Frühlingshafte Dekoration im Garten von Ursula Wegner. Quelle: Martina Hancke
Celle Stadt

Anfang April, 22 Grad, strahlender Sonnenschein – der frühe, warme Frühlingsbeginn in diesem Jahr entschädigt alle Gartenfreunde für den frostigen Start im vergangenen. So kann sich auch der Eröffnungsgarten der Offenen Pforte Celle Stadt und Land e.V. in schöner Blüte präsentieren. Ursula Wegner ist die erste, die ihr „Biotop mit Dekoration“, wie sie es nennt, für Besucher öffnet.

Spatzen, Kohl- und Blaumeisen zwitschern in den Bäumen, ein Starenpaar wandert über die Wiese und pickt Moos für den Nestbau. Eine Krähe schwebt heran und hüpft auf die Vogeltränke. Vor den Insektenhotels herrscht reger Flugbetrieb. Wildbienen und Hummeln summen in den Frühjahrsblühern.

Selbstverständlich ist diese Naturidylle nicht. Sie befindet sich in einer Mehrfamilienhaussiedlung in Klein Hehlen: rechts ein sandiger Spielplatz, links eine öde Rasenfläche vor einem Wohnblock, in der Mitte Ursula Wegners Refugium. Bevor die gelernte Gärtnerin 2008 anfing, die Fläche vor ihrem Erdgeschoss-Balkon zu renaturieren, sah es dort ähnlich karg aus. „Hier nistete kein Vogel“, so die 67-Jährige, die bis 2012 bei der Stadt Celle angestellt war. Riesige Kiefern und Tannen, Überbleibsel des früheren Waldgebiets, prägten das Bild.

In ihnen hängen heute verteilt 19 Nistkästen, die alle bezogen sind. „Im vergangen Jahr hatten wir rund 50 Jungvögel“, erzählt die Naturfreundin. Nach Rücksprache mit dem Hausmeister legte sie Staudenbeete an, setzte Sträucher und niedrige Hecken; denn es ist ihr wichtig, dass Passanten in den Garten blicken können. „Manchmal steigen selbst Radfahrer ab, um zu schauen“, so Wegner. Bei den Jüngsten sind vor allem die Wurzelmännchen und Tiergesichter an der Grundstücksgrenze beliebt.

Hauptattraktion ist jedoch die Weidenhütte, die Ursula Wegner je nach Jahreszeit dekoriert. Passend zu Ostern zieren Holzhasen, Hähne und Küken das Bild. Die Figuren arbeitet die pragmatische Frau mit der grauen Kurzhaarfrisur in ihrer Werkstatt selbst – so wie viele andere Dinge in ihrem Garten: Insektenhotels, Baumstammfiguren, Weidenhütten und -kugeln. Die größte misst stattliche 80 Zentimeter im Durchmesser.

Der Clou an Ursula Wegners „Stadtgarten“: Fast alle Pflanzen und Gehölze sind Fundstücke, die andere weggeschmissen haben. Auf diese Weise fanden Haselnuss und Japanische Kirsche, Sanddorn, Schmetterlingsflieder und Pfaffenhut ihren Weg in den Garten. Auch Ahornstab und Rote Zaunrübe – beide hochgiftig – dürfen hier stehen. Die Idee beweist, dass ein interessanter, naturnaher Garten nicht viel Geld kosten muss. „Aber ohne die Mithilfe meiner ehemaligen Kollegen hätte ich das alles so nicht geschafft“, betont die Gärtnerin.

Jede Pflanze hat hier ihre Geschichte, und für Besucher lohnt es sich zuzuhören und hinzuschauen. Der Garten mag sich nicht jedem auf den ersten Blick erschließen, doch wer sich Muße nimmt, erkennt, wie besonders dieses Stück Natur mitten in der Stadt ist.

Ursula Wegner hofft, dass ihr das zur Verfügung gestellte Grundstück noch lange erhalten bleibt, damit sie weiterhin in der Abenddämmerung die Igel beobachten kann und das Marderpaar, das durch den Garten tobt.

Von Martina Hancke