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Celle Stadt Bis zu 165 Patienten am Tag in der Celler Notaufnahme
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bis zu 165 Patienten am Tag in der Celler Notaufnahme
11:49 14.09.2016
"Dringliche Operationen können nicht unterbrochen werden, um Wartezeiten zu verkürzen", betont AKH-Sprecherin Daphne Ravens. Gerade bei Eingriffen, die noch am selben Tag vorgenommen werden müssen, müssen OPs oft hinten an den Zeitplan angefügt werden. Quelle: Alex Sorokin
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Weil sie Schmerzen hatte, ging eine 83-Jährige montags um 11 Uhr in die Notaufnahme des Allgemeinen Krankenhauses Celle (AKH). "Nach fünf Stunden konnte ich nicht mehr sitzen, da wurde mir eine Liege für den Gang gebracht", erzählt die Eschederin. Nach mehr als zwölf Stunden Wartezeit sei ihr Abzess am Po "endlich" operiert worden.

Dieses Celler Beispiel ist nur eines von vielen für verstopfte Notaufnahmen in Niedersachsen. Die Steigerungsraten sind enorm, die mittlerweile auch im AKH bewältigt werden müssen. So haben im Jahr 2015 mehr als 40.000 Menschen die Zentrale Notfallambulanz des AKH aufgesucht. 2007 waren es noch knapp über 25.000 Menschen. "Wir hatten im vergangenen Jahr zwischen 80 und 165 Patienten am Tag in der Zentralen Notaufnahme und erleben dort auch aktuell 30 bis 40 Patienten gleichzeitig", sagt AKH-Sprecherin Daphne Ravens und betont: "Wartezeiten lassen sich grundsätzlich nicht vermeiden."

Doch schon innerhalb der ersten Minuten nach der Aufnahme werden die medizinischen Dringlichkeiten mit einem standardisierten Verfahren zur Ersteinschätzung festgelegt. "Damit ist zu jedem Zeitpunkt sichergestellt, dass kein lebensbedrohlicher Fall, der ein sofortiges Handeln notwendig macht, übersehen wird", erklärt Ravens. Der Erstkontakt zum Arzt, der idealerweise nach 120 Minuten erfolgen sollte, könne sich bei starker Überlastung zeitlich nach hinten verzögern. Patienten, die noch am selben Tag operiert werden müssen, werden vorab auf Station aufgenommen und mit Schmerzmitteln und entzündungshemmenden Medikamenten versorgt.

Mehr als 60 Prozent der Patienten sind im vergangenen Jahr im AKH Celle ambulant geblieben. Das heißt, von den 41.249 Patienten konnten 25.364 direkt wieder nach Hause entlassen werden. Die meisten Celler kommen ab Mittag in die Notaufnahme und der Besucherstrom hält bis in die späten Abendstunden an. Da eine Abweisung grundsätzlich nicht möglich ist, appelliert Ravens an die Patienten, mitzudenken: "Patienten mit leichten Erkrankungen oder Verletzungen benötigen die diagnostischen Möglichkeiten und Behandlungsoptionen einer Notaufnahme nicht." Dafür empfiehlt Ravens, den ärztlichen Bereitschaftsdienst und die Notfallpraxis in der 77er Straße aufzusuchen.

Das AKH steckt in einer Zwickmühle. Einerseits scheinen sich viele Bürger nicht bewusst zu sein, an wen sie sich im Krankheitsfall wenden können, wenn ihr Hausarzt geschlossen hat. Andererseits: "Wollen wir auch keine Patienten einschüchtern, die sich dann mit akuten Symptomen bei Herzinfarkt und Schlaganfall nicht trauen, die Notaufnahme aufzusuchen", erklärt Ravens.

Von Dagny Rößler