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Celle Stadt Bischof packt im Celler Schlosstheater mit an
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bischof packt im Celler Schlosstheater mit an
19:40 06.04.2016
Quelle: Michael Schäfer
Celle Stadt

Es ist bereits der fünfte Betrieb, in den Rathing hineinschnuppert. Jedes Jahr nimmt sich der 59-Jährige eine Woche Zeit, um die Arbeitswelt näher kennen zu lernen. Und dabei scheut er nicht die unangenehmen Seiten der Jobs. Für das Praktikum in einer Bäckerei stand er morgens ab 4 Uhr am Fließband, auf einem Bauernhof packte er richtig mit an und auch die Klos auf dem Campingplatz wurden schon von ihm geputzt. Rathing ist sich für nichts zu schade.

Auch jetzt packt er richtig mit an, als Requisiten auf einen Lastwagen verladen werden. Zuvor werkelte er schon mit dem Bühnen-Team in Halle 19, um die Bühne für ein Schulstück vorzubereiten. „Er ist umsichtig und denkt mit. Wenn irgendwo etwas im Weg steht, dann räumt er das weg“, lobt ihn sein Chef für eine Woche, Roberto Langenhan. Der Bühnentechnik-Leiter ist seit 1989 beim Schlosstheater und kennt den Job genau: „Es hat – genauso wie die Schauspielerei – viel mit Improvisation zu tun. Häufig müssen wir noch schnell etwas ändern.“ Langenhan muss genau planen, damit alles zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist. „Wir haben an der Seitenbühne wenig Lagerkapazität, das Hin- und Herrücken kostet Zeit“, sagt er.

Und genau das muss er jetzt wieder tun. Gemeinsam mit seinem Team und Praktikant Rathing baut er auf der Seitenbühne alles für das Stück „Fluchtpunkt Celle“ auf. Dafür wird fast die ganze Bühne mit Koffern bedeckt, die auf Platten festgeschraubt sind. Der Superintendent kniet sich hin, rückt zurecht, packt mit an.

Ob man die Kanzel mit der Bühne vergleichen kann? „Eine kleine Rampensau muss man schon sein als Pastor. Aber man darf es nicht übertreiben, wie manche Kollegen“, sagt der 59-Jährige. In den nächsten Tagen wechselt er vom Bühnenbild zu den Beleuchtern und schaut sich deren Arbeit genauer an. Auch privat interessiert er sich für die Kunst. In Lüneburg hat er ein Abo fürs Theater. „Im vergangenen Jahr war ich dann während einer Bereisung zum Thema Handwerk hier, und die gute Stimmung hat mir gefallen“, so der Regionalbischof.

Er ist erstaunt, wie viele Leute im Hintergrund eines solchen Stückes arbeiten. „Jetzt verstehe ich, warum kaum ein Theater ohne Subventionen auskommt“, sagt Rathing. Im Sommer will er sich das Ergebnis dieser Arbeit in Ruhe anschauen. Statt auf der Bühne zu schuften, wird er gemütlich im Publikum sitzen und sich Shakespeares Komödie „Was ihr wollt“ anschauen.

Von Alexander Hänjes