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Celle Stadt Bitterorange und Buchstaben-Nudeln im Celler Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bitterorange und Buchstaben-Nudeln im Celler Schloss
18:13 19.12.2013
Ilse Hillers „Galaxi“ sowie die beiden Skulpturen (kleines Foto) von Norbert Diemerts mit den Titeln „Geneigte I“ und „Geneigte II“ sind derzeit in der Jahresausstellung des BBKs zu sehen. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Der Bund Bildender Künstler (BBK) Celle präsentiert in seiner 67. Jahresausstellung in der Gotischen Halle des Celler Schlosses eine themenreiche und – bezogen auf die Techniken – facettenreiche Schau aus rund fünfzig Arbeiten von zwanzig Künstlern. Gegenständliche, experimentelle und abstrakte Aquarelle, Acryl- und Ölgemälde wechseln sich ab mit Mischtechniken und Collagen, Skulpturen und Installationen und zeigen beispielhaft die ganze Bandbreite des künstlerischen Schaffens.

Da korrespondieren etwa Grit Wuttkes farbgewaltige „Fluten“ mit Ilse Hillers „Galaxi“, wo Eis- und Gesteinsbrocken wie ein an Fäden durch den Weltraum schwebendes Mobile anmuten. Die abstrakt gehaltene farbintensive dreiteilige Bildergruppe „Lampedusa“ von Deborah V. Schütze wiederum versinnbildlicht durch die über- und durcheinanderlaufenden Farben, in deren Gewirr man schemenhaft ein voll besetztes Boot wahrnimmt, eindrucksvoll die schier ausweglose Situation der in ihr Schicksal verstrickten Bootsflüchtlinge. Nachdenklich stimmen auch Jens Hemmes verkohlte Bücher in einem ebenfalls verkohlten Regal, die – „dekoriert“ mit einer fast heruntergebrannten Kerze – „an einen Tag im Mai“ erinnern. Und auch die inhaltslosen „Informationen“, die Ingrid Ch. Meyer mit Hilfe von Buchstaben-Nudeln aus dem weit aufgerissenen Mund eines Schreihalses sprudeln und schließlich „wortlos“ zu Boden fallenlässt, regen zum Nachdenken an.

Doch auch „die heile Welt“ findet ihren Platz in der Ausstellung. Seien es die mit Ölfarben gestalteten bunten Blumensträuße von Günter Thomaschek oder die lichten Aquarelle, in denen Michelle Döring-Hochet die Bretagne von ihrer schönsten Seite zeigt, seien es die Öl-Pastelle von Karin Hess, die einen Waldrand im Wechsel der Jahreszeiten zeigen, oder die Katzenporträts, in denen Andrea Rauser die charakteristische Mimik des beliebten Haustieres in trefflich reduzierter Form festgehalten hat – es sind Bilder, in denen man verweilen und sich erholen kann.

Echte „Hingucker“ wiederum sind die Plastiken und Skulpturen, die sich im Raum verteilen. Etwa die beiden aus vulkanischem Ergussgestein und Granit gefertigten „Geneigten“ von Norbert Diemert. Oder die zwölfteilige Häusergruppe desselben Künstlers, in der er zusätzlich noch porösen Kalkstein und Marmor verarbeitet hat. An anderer Stelle sieht man sich vor einer mannshohen, von Lutz Wiedemann aus Walnussholz geschnitzten „Trifoliata“, wie man den Baum der Bitterorange wegen ihrer dreiteiligen Laubblätter nennt. Am aktuellsten dürfte jedoch das Acrylgemälde „Royals: Große Aussichten“ von Inge Frisius sein, in dem sie anlässlich des 300-jährigen Jubiläums der Personalunion im nächsten Jahr schon einmal den Blick vom englischen Königshaus auf die Landeshauptstadt Hannover lenkt.

Die Ausstellung ist bis zum 23. Februar dienstags bis sonntags von 10 bis 13 Uhr und von 13.30 bis 17 Uhr zu sehen. Abweichende Öffnungszeiten: 25. Dezember von 11 bis 17 Uhr, 1. Januar von 13 bis 16 Uhr. Am 24., 26. und 31. Dezember bleibt die Ausstellung geschlossen.

Von Rolf-Dieter Diehl