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Celle Stadt Bläserensemble „Celler Nachtmusique“ begeistert beim Benefizkonzert
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bläserensemble „Celler Nachtmusique“ begeistert beim Benefizkonzert
15:17 28.08.2017
Das Ballett-Ensemble Zeitgeist in einer Szene aus dem Ballet de Cour unter dem Titel „Die Gedanken sind frei?“. Quelle: Michael Schäfer
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Moderiert von Juliane Schmieglitz-Otten, Leiterin des Residenzmuseums, entführte das poesievoll inszenierte Ballet de Cour in „Die Gedanken sind frei“, ein Gesamtkunstwerk aus Choreografie, Dichtung und Musik, das faszinierte Publikum in eine Zeit, in der das gesellschaftliche Ständedenken das Leben der Bevölkerung stark prägte. Szenen von Lebenslust und Intoleranz, von Not und Vertreibung, und immer wieder mehr oder weniger deutlich das Thema „Menschenwürde“ bildeten den Inhalt dieser rundum gelungenen Aufführung, für die Harf wieder einmal ein wunderbar interpretierendes und emotional berührendes Ensemble aufbieten konnte.

In beeindruckender Weise gelang es dem Ballett-Ensemble Zeitgeist mit seiner breit gefächerten Darstellungskunst und einer trefflichen Mimik, die Gedanken und Gefühle mit einer bis ins kleinste Detail ausgearbeiteten Präzision der Bewegung und Haltung sichtbar zu machen. In fast meditativer Konzentration – mit höfisch zurückhaltender Anmut und doch voller Lebendigkeit – zeichneten die Tänzer in ästhetischen Momentaufnahmen körperlichen Ausdrucks das Wechselbad menschlicher Gefühle, unterstützt durch den Profitänzer Bernd Niedecken. Und die Mimen und Musiker fügten sich bruchlos in diese mal beklemmende, mal Lebensfreude ausdrückende Szenerie. Angefangen bei Irina Gankema als zunächst gefragte und später verfolgte mittelalterliche „Kräuterhexe Petronella“ bis hin zum aktuell authentischen Protagonisten Ibrahim Keivo, einen syrischen Flüchtling, der in seinen Liedern die Träume eines ganzen Volkes in die Welt hinaus schrie und schließlich desillusioniert im Nichts verhallen ließ.

Umjubelte Gesangssolisten waren Marisca Mulder (Sopran) und Denis Lakey (Countertenor), die mit Arien und einem Duett aus Pegolesis „Stabat Mater“ buchstäblich aufhorchen ließen. Ihr Gesang vermittelte pures Gänsehaut-Feeling. So spannend, belebend und zeitlos schön kann Alte Musik klingen, wenn man sich derart kompetent, gefühlvoll und wissend annähert. Und von Instrumentalisten wie Thorsten Enckes „Ensemble musica assoluta“ begleitet wird. Schon zuvor beim „Allegretto“ aus Schuberts Streichquintett D 956 wussten diese mit Momenten filigranster Schönheit eindrucksvoll aus der Tiefe inneren Lebens zu schöpfen.

Mit einem Grand ballet und gemeinsam mit dem Publikum gesungenen „Die Gedanken sind frei“ nahm die Vorstellung ein nachhaltiges Ende.

Von Rolf-Dieter Diehl