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Celle Stadt Bläserklang zwischen Pathos und Feingefühl
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bläserklang zwischen Pathos und Feingefühl
17:56 07.09.2017
Das Ensemble „Heide-Blech“ trat im Celler Beckmannsaal auf. Quelle: David Borghoff
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In ihrer Programmfolge aus opernhafter Brillanz (Pilgerchor aus Wagners „Tannhäuser“), charakteristischer Klangmalerei („Three Brass Cats“ von Chris Hazel) und schillernden Tönen (Jim Parkers „A Londoner in New York“) präsentierten die Interpreten mitreißende Literatur. Dabei wurde den Zuhörern neben hohem konzertanten Anspruch auch beste Unterhaltung geboten. Etwa bei der musikalischen Weinprobe „Homage to the Noble Grape“ von Goff Richards, bei der fünf edle Rebsorten wie Chablis, Chianti und Champagner ihren jeweiligen Eigenschaften entsprechend in mal prickelnde, mal temperamentvolle Töne gefasst wurden. Da gab es feinste Nuancen zu bestaunen, obwohl das Ensemble keineswegs zu süßlich spielte. Im Gegenteil. In differenzierten Klangfarben und mit viel Emphase schwelgten sie in den ausgewählten Tonschöpfungen und wussten immer auch den dramatischen Impuls der Musik aufzuspüren.

Mit fein dosierter und variabel eingesetzter Lautstärke changierten sie zwischen schwebenden Kantilenen und festlichen Fanfarenklängen, wobei sie ihre Interpretationen mit zartem Grundtenor ausstatteten. Und von da aus kosteten sie ihr breites Spektrum mit brisanter musikalischer Energie nach oben und unten mal fein nuanciert, mal mit interessanten Akzenten genüsslich aus. So bot sich den Zuhörern ein facettenreich konzertantes Wellenbad zwischen Pathos und Feingefühl, zwischen pompösen Clusterklängen und zarten Tonkaskaden. Immer wieder beeindruckte das Gravitätische, Würdevolle, mit dem das Ensemble den prachtvollen Klangcharakter der Stücke herausarbeitete.

Von Rolf-Dieter Diehl