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Celle Stadt "Blau machen" einmal anders im Celler Schloss
Celle Aus der Stadt Celle Stadt "Blau machen" einmal anders im Celler Schloss
17:50 12.04.2016
Celle Stadt

Hier bekommt der Begriff „Blau machen“ eine ganz neue Perspektive: Die Gotische Halle des Celler Schlosses bietet derzeit eine allumfassende Symphonie in Türkisblau und Weiß. Die Installationskunst von Anja Schindler lässt an griechische Inseln und Südsee denken und sorgt so schon vor dem ersten genauen Blick für eine harmonische Atmosphäre. Der Besucher taucht ein in eine skurrile Welt vieler kleiner, unterschiedlicher Dinge – in einer Syntax vereint, aber schon optisch zusammengefasst durch diese homogenisierende Farbgebung.

Die Farbwahl ist – wie alles Übrige, was zunächst einmal einfach zusammengetragen, gesammelt und zusammengestellt wirkt – wohlüberlegt. „Es ist die Farbe des Himmels und des Wassers – und steht damit für Freiheit und Leben. Die Farbe hat aber auch eine mythologische Bedeutung. Im alten Ägypten war sie die Farbe des Todes und ist bis heute auf vielen klassischen Mosaiken, Kacheln und Malereien zu finden“, so Anja Schindler. „Wenn man Dinge sammelt und katalogisiert, will man – neben dem bloßen Vergnügen daran – auch bewahren und dokumentieren. Dort, an der Basis, liegt auch mein Ansatz.“

Die Künstlerin hat ein Auge für die kleinen Dinge des Lebens – den Ursprung, den sie in Samen, Wurzeln und Sprösslingen, ja in archaischen Formen (heute in der Nudelproduktion umgesetzt) findet. Ebenso fasziniert sie das Ende, die Vergänglichkeit: tote Käfer, Schlangen und Echsen, die sie noch kurz vor dem endgültigen Verfall durch Konservierung rettet. Altes, in ihren Augen Bewahrenswertes, legt Anja Schindler einfach in mit Öl befüllten Gläsern ein, die sie mit Siegellack verschließt. Darunter sind auch Seiten und Fragmente alter Schriften oder klassische Kernseifen. „Schon in der Renaissance dienten die Präparate, Schaukästen und Aufzeichnungen zum einen der Bewahrung, zum anderen aber auch der Demonstration von Vielfältigkeit, den Wundern des Lebens und der Welt und letztlich auch der Pädagogik. Das ist letztlich auch mein Anliegen.“ Und so entdecken und bestaunen die Besucher der Installation die zahlreichen, im Grunde banalen und doch mit der Verfremdung durch Farbe noch hervorgehobenen Kleinigkeiten als Teilchen von etwas Größerem.

Ein bisschen Hexenküche, ein bisschen Vorratskammer, dazwischen auch Skizzen und kleine Malereien – die Ausstellung des Celler Kunstvereins von Anja Schindlers Kompositionen zwingt den Betrachter in eine Fokussierung. Begriffe wie Ordnung, Verspieltheit, bis hin zum Makaberen, Morbiden begleiten den Gang, Schritt für Schritt, Stück für Stück. Und sie erzwingen damit eine Aufmerksamkeit, die die Dinge im alltäglichen Vorkommen so nie erhalten würden.

Von Doris Hennies