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Celle Stadt Blick hinter die Kulissen zweier Celler Wahllokale
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Blick hinter die Kulissen zweier Celler Wahllokale
23:22 22.09.2013
Gerd Richter war der 150. Wähler in Bostel. Im Hintergrund (von links) schauen Elke Heuer, Hans-Martin Schaake und Sabine Gottfried zu. Quelle: Udo Genth
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„Es hat sich mittlerweile entzerrt“, sagt Hans-Martin Schaake gegen Mittag in Hinblick auf die Anzahl der eintreffenden Wahlberechtigten. Er ist der stellvertretende Bürgermeister von Bostel, aber im Augenblick fungiert er als einer der drei Wahlhelfer. Wahlleiterin ist Elke Heuer, während Sabine Gottfried das Trio vervollständigt. Eigentlich sind sie insgesamt sieben Wahlhelfer, aber sie haben bis 13 Uhr die Aufsicht, dann tritt die „Spätschicht“ an, die aus vier Leuten besteht. „Drei müssen immer anwesend sein“, erläutert die Vorsitzende, einer sei als Reserve dabei. Um 18 Uhr kommen dann alle Wahlhelfer zur Auszählung zusammen.

Früher wären einige Ortsbewohner ebenfalls dabei gewesen, aber das habe in letzter Zeit doch stark nachgelassen. „Früher“ – dieses Wort ist noch oft zu hören, wenn es eine zeitliche Gegenüberstellung gibt. In den 1960er-Jahren kamen die Menschen schubweise nach dem Kirchgang, heute ist das nicht mehr der Fall. Es fließt mehr ein ruhiger Strom – oder angesichts der wenigen Wahlberechtigten eher ein Bach. Die Wahlwilligen treten meist mit der Benachrichtigung in der Hand an den Tisch und werden oftmals mit Hallo begrüßt. „Etwa 95 Prozent unserer Leute kennen wir vom Schützenverein, von der Feuerwehr, den Landfrauen oder so“, meint Schaake. Je nach Grad der Vertrautheit werden Hände geschüttelt oder auch schon mal Küsschen ausgetauscht. Die gibt es ebenso im übertragenen Sinne, denn Elke Heuer reicht eine Schale mit Süßigkeiten, zu denen auch „Küsschen“ zählen, herum.

Um 12.23 Uhr wird der 150. Wähler registriert, der seinen Stimmzettel gefaltet in die Wahlurne steckt. Eineinhalb Stunden später ist die 50-Prozent-Marke der Wahlbeteiligung erreicht. Vor Jahren noch haben stets 80 Prozent der Wähler den Weg zur Urne genommen, erinnert sich Elke Heuer. Aber seit in Bostel ein Altersheim besteht, habe die Wahlbeteiligung deutlich abgenommen. Dennoch sind alle zufrieden, unterhalten sich mit den Wählern und treffen beispielsweise private Terminabsprachen. Es scheint, als sei man in Bostel eine große Familie, und zwar vor der Wahl, während der Wahl und hinterher sowieso.

In Wietzenbruch sind drei Wahllokale auf dem Gelände der Grundschule in der „Waldschmiede“ eingerichtet worden. Da kommt es hin und wieder vor, dass sich Wahlwillige „verlaufen“ und dann weitergeschickt werden. Das geschieht in freundlichem Ton ohne jeden Anflug amtlicher Strenge. Im Wahllokal des Wahlbezirks 47, dem Klassenzimmer einer ersten Klasse, fällt zunächst als Unterschied auf, dass hier drei Wahlkabinen aufgestellt sind anstatt deren zwei wie in Bostel. Dennoch sind diese vielfach belegt, denn der Zustrom ist wesentlich stärker und kontinuierlicher.

Auffällig ist weiterhin, dass trotz der dreifachen Anzahl von Wahlberechtigten ebenfalls nur eine Wahlurne vorhanden ist. Zu ihr muss Wahlvorsteher Ingold Blume mehrfach gehen, um sie zu schütteln, damit die eingeworfenen Stimmzettel etwas zusammensacken. Im Wahlbezirk 21 sind die Wahlhelfer erfreut, dass sie um 14 Uhr schon 45 Prozent Wahlbeteiligung vermelden können. Die Briefwahl wurde hier lediglich von einem Zehntel der Wähler genutzt.

In Wietzenbruch kommen viele Eltern gemeinsam mit ihren minderjährigen Kindern. Die lieben Kleinen dürfen dann bei Vati oder Mutti in der Kabine mit ansehen, wie die Kreuze gesetzt werden. Das ist als eine erste Unterrichtung in Demokratie sicher zu begrüßen, aber ansonsten wacht Ingold Blume doch sehr über die Regularien. Zwei Wähler, die sich aus den Kabinen heraus unterhalten, werden von ihm sanft gebeten, dies zu unterlassen. Ähnlich ergeht es einer Frau, die mit ungefaltetem Wahlzettel die Kabine verlässt und diesen offenbar ihrem Mann zeigen will. Das ist nicht statthaft, der Zettel muss in der Kabine gefaltet werden, besser sogar zweimal, damit er in den schmalen Schlitz der Urne passt.

Eine junge Dame gibt etwas verschämt zu, dass sie Erstwählerin ist. Nachdem sie ordnungsgemäß ihre Stimme abgegeben hat, erklärt sie sich schon vorher genau überlegt habe, welchen Kandidaten und Partei sie ankreuzen will. „Ich habe da nicht einfach nur zwei Kreuze gemacht“, versichert die 21-Jährige. Sie verlässt den Raum, während eine vielköpfige Familie eintritt. Danach kommen gleich zwei alte Damen, eine davon mit Rollator. Der Zugang reißt nicht ab.

Von Udo Genth