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Celle Stadt „Blindgänger im Rathaus“
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Blindgänger im Rathaus“
17:33 07.02.2010
Thomas Deist auf der Bühne der Congress Union. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Musik, Tanz und allerlei raffinierte Büttenreden haben am Sonnabend rund 200 Narren in der Congress Union in Karnevals-Stimmung versetzt. Unter dem Motto „Auf einem Meer voller Miese – närrisch gondeln durch die Krise“ hatte die Rheinische Vereinigung Celle zur Prunksitzung eingeladen. Neben den aufwändigen Musik- und Tanzeinlagen sorgten vor allem die Büttenredner mit ihrer pointenreichen Politik-Schelte für zahlreiche Lacher. Besonders Thomas Deist hielt den Celler Polit-Akteuren frech einen satirisch gemeinten Spiegel vor die Narrenkappe:

„Blindgänger im Rathaus“: In Celle, dem „Zentrum des Jammerns“, nahm sich Deist zuerst das Neue Rathaus als Zielscheibe vor: „Da hätte man es hier in Celle doch mal richtig krachen lassen können – obwohl, das war ja nun Silvester untersagt. Böllerverbot für die Innenstadt. Eigentlich unverständlich, bei den vielen Blindgängern, die im Rathaus sitzen.“ Auch den Gedo-Kontakt von Joachim Falkenhagen (FDP) nahm Deist unter Beschuss: „Da rieselt es aber auch schon bedenklich, wenn Golf spielende Berufsliberale, die über die Innenstadt ja ach so besorgt sind, klammheimlich zärtliche e-Mails an Investoren eines Centers schreiben.“

„Das Phantom des Rathauses“: Auch Oberbürgermeister Dirk-Ulrich Mende (SPD) wurde zum Ziel von Deists Rede: „Der Nobody wurde zum Everybody, als in der Wolle entfärbter Sozialdemokrat, der auch den schönen Beinamen trägt: ‚Phantom des Rathauses’. Den kennt keiner. Geht man ins Rathaus und fragt nach DUM, also – Dirk-Ulrich Mende, kriegt man prompt zur Antwort: ‚Hä, wer ist das?’“

Toiletten im Schlossgraben, CZ und Wulf Haack: Thomas Deist bedachte auch weitere Akteure und Projekte aus Celle mit spöttischen Worten. Neben der CZ („Unsere örtliche Obstpresse“) und Wulf Haack („Dem ist sprichwörtlich die Haesler-Stiftung stiften gegangen“) wurden auch die Künstlerin Ping Qiu und ihr Kunstwerk „Wasserkreislauf“ zur Zielscheibe: „Wo medial schwer geschädigte Menschen gebrauchte Toiletten in historische Schlossgräben stellen dürfen, um das Kunst zu nennen, da muss es einfach schön sein.“

Weitere Büttenreden: Auch Wolfgang Haack, erster Vorsitzender der Rheinischen Vereinigung, nahm sich Celler Polit-Akteure wie den anwesenden Klaus Gärtner (CDU), Bürgermeister von Nienhagen, zur Brust: „Ein Mörder ist der zwar nicht, aber ein Bösewicht, weil er es gewagt, stets unverzagt einen Ratsherrn mit schlechten Manieren vor ein Gericht zu zitieren.“ Sabine Brosy thematisierte in ihrer Rede hingegen die „Urlaubsvorbereitungen für Bella Italia.“

Tanzeinlagen und Musik, wie vom Musikzug Groß Hehlen, lockerten die Zeit zwischen den Reden auf. Weiterer Höhepunkt zum Ende: Der Auftritt der „Doof-Nuss vom Niederrhein“, die mit ihren urkomischen Witzen das Publikum zum Lachen brachte.

Von Christian Uthoff