Menü
Cellesche Zeitung | Ihre Zeitung aus Celle
Celle Stadt Blödsinn der Spitzenklasse
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Blödsinn der Spitzenklasse
16:53 04.06.2012
Matthias Brodowy bei seinem Auftritt am 01. Juni im Forum des Ernestinums Celle. Quelle: Peter Bierschwale
Celle Stadt

Einen großen Erfolg haben die fünf Lions-Clubs aus der Region Celle jetzt bei ihrem „Aktionstag“ verbuchen können: Rund dreihundertfünfzig Gäste kamen zu der von den „Lions“ organisierten Kabarett-Veranstaltung im Forum des Ernestinums am vergangenen Freitag, und sie erlebten mit dem Hannoveraner Matthias Brodowy einen Kabarettisten der Spitzenklasse. Brodowy bot in seinem Programm „Offenbarung“ die gesamte Bandbreite dessen, was Kabarett ausmachen kann. Obwohl der Auftritt gut zwei Stunden andauerte, wurde es dem Publikum nicht eine Sekunde langweilig.

Unzählige Kabarettisten und Comedians sind schon auf den Celler Bühnen aufgetreten, aber Matthias Brodowy war bislang nicht darunter, obwohl er praktisch aus der Nachbarschaft stammt und in der Szene beileibe kein Unbekannter mehr ist.

Ausgestattet mit einer soliden Klaviertechnik und einer guten Gesangsstimme, konnte der Künstler seinen Auftritt abwechslungsreich gestalten.

Nahezu rührend war der Rückblick auf seine Kindheit in den Siebziger Jahren: Die Kinder hätten damals etwas kennengelernt, was es heute nicht mehr gebe, den „Sendeschluss“. Es habe keine Spielkonsolen gegeben, es sei „analog“ gespielt worden. Die Telefone hätten fest verkabelt im Flur gestanden und grüne Brokathäubchen gehabt. Wenn bei jemandem „besetzt“ gewesen sei, dann habe man vielleicht in einer Stunde noch einmal angerufen oder aber erst am nächsten Tag – kein Ausweichen aufs Handy, SMS oder Mail. Alles sei viel entspannter gewesen: „Sie konnten aus dem Haus gehen, ohne dass die Jacke klingelt oder die Hose vibriert!“

Der „Vertreter für den gehobenen Blödsinn“ hatte eine Reihe von „Offenbarungen“ parat, dazu gehörte die Weltuntergangsprognose des Maya-Kalenders. „Ich bin da nicht so ängstlich“, meinte Brodowy. Für ihn gelte das „Survival oft the Fittest“, das könne man bei Darwin und bei Thilo Sarrazin nachlesen.

Der Kabarettist fand immer wieder geschickte Überleitungen, mit deren Hilfe er querfeldein durch die verschiedensten Themen düste. So seien die Deutschen „höfliches und distanziertes“ Volk, aber der der Autofahrer vor ihnen sei immer ein „blödes Arschloch“.

Für die Bestrafung der Raser unter den Autofahrern hatte Brodowy eine nette Idee parat: „Punkte in Flensburg“ seien doch witzlos. Man solle stattdessen die Polizisten mit Hämmerchen ausstatten. Die könnten dann für jeden Kilometer zu viel eine Delle in die Karosserie schlagen.

Seine Chansons waren romantisch, wenn er darüber sang, als „Nordlicht“ immer am Meer Urlaub zu machen, aber satirisch-scharfzüngig, wenn er die Datensammelei von Facebook kritisierte. Er selbst sei zwar nicht bei Facebook, aber er kontrolliere regelmäßig, wo er da überall auftauche. Mit einer nur auf den ersten Blick tautologischen Formulierung brachte er das auf den Punkt: „Auch wenn Sie nicht bei Facebook sind, heißt das nicht, dass Sie nicht bei Facebook sind.“

Der Reinerlös der Veranstaltung werden die Lions der Musikschule des Christlichen Jugenddorfs und dem Kinder-Projekt „Ich bin stark!“ der CD-Kaserne spenden.

Von Peter Bierschwale