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Celle Stadt „Blues Serenaders“ und Pianist Curt Prina im Kreistagssaal
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Blues Serenaders“ und Pianist Curt Prina im Kreistagssaal
14:28 23.11.2010
Die „Blues Serenaders“ mit (von links) Klaus Heidenreich (Posaune), Horst Wagner (Bass), Wolfgang Heidenreich (Trompete), Hermann Heidenreich (Schlagzeug) und Pit Müller (Klarinette, Saxofon) bei ihrem Konzert im Kreistagssaal. Quelle: Rolf-Dieter Diehl
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Und mit reizvollen rhythmischen Kapriolen und geschickten Brücken zwischen den unterschiedlichen Stilen machten sie den Abend zu einem vollen Erfolg: Horst Wagner (Bass), der stille Vulkan im Hintergrund, ließ seinem beherzten Grummeln immer wieder traumwandlerisch schöne Töne folgen. Hermann Heidenreich (Drums) sorgte für den lebendigen Puls und treffliche Beats. Die Stimmung schaukelte Bandleader Wolfgang Heidenreich (Trompete) mit seiner unbändigen emotionalen Kraft hoch. Mal schleuderte er die Töne förmlich aus seinem Instrument, dann wiederum provozierte er die Aufmerksamkeit durch bluesige sanfte Growls mit dem Dämpfer. Pit Müller (Saxofon, Klarinette) forderte mit seinem faszinierenden Stil aus empfindlichen Vibrato und klarem, ausdrucksvollen Ton immer wieder Szenenapplaus heraus, ebenso wie Klaus Heidenreich mit seinen kraftvoll-expressiven Posaunenläufen.

Als Stargast saß Curt Prina am Klavier, der von 1952 bis 1978 dem legendären Hazy-Osterwald-Sextett angehörte und heute in Burgdorf lebt. Der inzwischen 82-Jährige gilt als einer der besten Stride-Pianisten der Welt und zeigte vor allem bei seinem mitreißenden Solo „Little Rock Get Away“ und einem Errol-Garner-Medley, dass er noch nichts von seiner Begeisterungsfähigkeit verloren hat. Vor Musizierfreude nur so sprühend jagte er über die Tasten, von den grollenden Bässen bis zu den perlenden Höhen. Mitreißend sein perkussiver Blockakkord-Stil bei seinen Improvisationen in boppenden Up-Tempi. Von diesem Timing, diesem Anschlag, dieser Fantasie und diesem lausbübischen Schalk können die meisten Jazz-Pianisten nur träumen. Dieses Konzert belegte einmal mehr, dass Rückgriffe auf die Jazztradition nicht im Konservatismus erstarren müssen. Die hellwache Interaktion zwischen den Partnern und der pulsierende Sog, den ihre Musik entwickelte, sorgte von Beginn an für Begeisterung im Publikum.

Von Rolf-Dieter Diehl