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Celle Stadt Braunschweiger Staatsorchester begeistert in Celle mit emotionaler Klangsprache
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Braunschweiger Staatsorchester begeistert in Celle mit emotionaler Klangsprache
11:14 08.12.2016
Ausdrucksstarkwaren die Vorträgeder Gesangssolistin Ekaterina Kudryavtseva (Sopran) undihres musikalischen Begleiters Martin Weller an der Trompeteunter der Leitungvon DirigentChristian Fitzner. Quelle: Oliver Knoblich
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Unter der Leitung von Christian Fitzner spielte das Orchester schon beim ersten Stück des Abends, Mozarts Sinfonie Nr. 1 Es-Dur, mit einer solchen Frische auf, als sei dieses Frühwerk Mozarts eine Herzensangelegenheit. Jedes Motiv, jede Wendung wurde deutlich gemacht, wodurch die Musik „beredt“ wurde und die Vielschichtigkeit, Spannung und Entspannung und auch der Schmerz von Dissonanzen deutlich zum Ausdruck kamen.

Nicht minder ausdrucksstark waren die Vorträge der Gesangssolistin Ekaterina Kudryavtseva (Sopran) und ihres musikalischen Begleiters Martin Weller (Trompete): Bei der Arie „Let the Bright Seraphim“ aus dem Händel-Oratorium „Samson“ setzten sie mit herzattackierender Sinnlichkeit und traumwandlerisch gestalteter Empfindsamkeit alles auf Ausdruck und Innenspannung. Es war fantastisch, wie subtil sie in diesen seelentiefgründigen Gefühlsdarstellungen auch noch die feinsten emotionalen Nuancen auszudrücken verstanden.

Hier Kudryavtsevas Sopran mit seiner beweglichen, elegant strahlenden Höhe und der sinnlichen, aber klar artikulierten Tiefe. Dort Weller, der eine glänzende Visitenkarte als Virtuose mit Her­zenstönen abgab. Und auch bei Bachs Kantate „Jauchzet Gott in allen Landen“, die an beide Solisten höchste Anforderungen in Tonhöhe und Virtuosität stellt, erwies er sich als adäquater Duo-Partner.

Kudryavtsevas glockenhelles, aber nie spitzes Timbre ließ in den sprichwörtlich jubelnden fünf Arien ebenso aufhorchen wie ihre brillante Koloraturkunst. Und auch die im wörtlichen Sinn „religiöse“ Seite von Bachs Kantatenkunst, in der er bei aller Emotionalität immer die Zwiesprache der Seele mit ihrem Gott im Sinn hatte, fand sich bis hin zum triumphierenden finalen „Alleluja“ in der ungemein textbezogenen Interpretation der Sängerin, während das von Fitzner in souveräner Gestik und mit klarem Klangsinn dirigierte Orchester vor allem in den festlich-konzertanten Ecksätzen in bester barocker Klangrede schwelgte.

Den Abschluss bildete Mozarts „Linzer“ Sinfonie Nr. 36 C-Dur. Die Musiker wussten hochkonzentriert und dabei erfrischend unbekümmert das spannungsvoll zwischen festlicher Heiterkeit und melancholischen Trübungen changierende emotionale Potenzial der Musik freizulegen. Dabei zeigten sie ihr enormes Gestaltungsvermögen von konturenscharf präsentierten virtuosen Spielfiguren über dramatische Schlüsselmomente bis zum üppigen Klangrausch im Tutti. Selten hört man, wenn beschleunigt oder verlangsamt werden muss, weil der Herzschlag der Musik sich subtil ändert, solche nahezu unmerkliche Raffinesse.

Von Rolf-Dieter Diehl