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Celle Stadt Braunschweiger Staatsorchester in Celle: Charme, Schmelz und Heiterkeit
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Braunschweiger Staatsorchester in Celle: Charme, Schmelz und Heiterkeit
17:45 08.01.2014
Das Braunschweiger Staatsorchester präsentierte gemeinsam mit den Gesangssolisten - Matthias Stier (Tenor/links auf linkem kleinen Foto), Ekaterina Kudryavtseva (Sopran/Mitte) - und Milda Tubelytè (Mezzosopran/kleines Foto rechts) unter Dirigent - Sebastian Beckedorf (rechts auf kleinem Foto links) ein stimmungsvolles Neujahrskonzert - in der Celler Congress Union. Quelle: Benjamin Westhoff
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„Schauen Sie sich doch mal die schmucklose Bühne an. Keine Dekoration, kein Blumenschmuck, kein Farbtupfer, nur tristes Grau. Und das bei einem Neujahrskonzert. Wie soll man da in Stimmung kommen? So etwas haben wir noch nicht erlebt“, ereiferte sich ein Ehepaar in der Pause gegenüber seinen Gesprächspartnern. In ähnlicher Weise mokierten sich auch andere Gäste über „die sterile Kulisse“ für ein Neujahrskonzert, dessen musikalische Darbietungen umso mehr für Begeisterung sorgten.

Unter der Leitung von Sebastian Beckedorf präsentierte das Braunschweiger Staatsorchester gemeinsam mit den Gesangssolisten Ekaterina Kudryavtseva (Sopran), Milda Tubelytè (Mezzosopran), Matthias Stier (Tenor) und Werner Kraus (Bariton) unter dem Motto „Dein ist mein ganzes Herz“ ein überaus stimmungsvolles Programm zwischen „Wiener Schmäh“ und „Berliner Schnauze“, ein Programm, das von Franz Lehárs „Land des Lächelns“ über „Die Fledermaus“ von Johann Strauß bis zu populären Operettenarien von Carl Millöcker („Dunkelrote Rosen bring’ ich, schöne Frau“) und Walter Kollo („Das war in Schöneberg im Monat Mai“) reichte.

Dabei konnten die Solisten allerdings weniger mit Stimmvolumen punkten als vielmehr mit Weichheit und einem sanften Schmelz. Und mit gekonnter mimischer Untermalung. Bezaubernd, wie etwa Ekaterina Kudryavtseva und Milda Tubelytè dem „Die Männer sind alle Verbrecher“ mit kokettem Augenaufschlag ein umgarnendes „Aber lieb sind sie doch“ folgen ließen. Oder wie „Im Feuerstrom der Reben“ Matthias Stier und Werner Kraus gemeinsam mit den Damen herrlich süffig „dem König aller Weine“ huldigten. Für alle lyrischen und dramatischen Schattierungen fanden die Vokalisten den richtigen Ton. Mal mit Charme und Schmelz, dann wieder mit Heiterkeit und Übermut feuerten sie die zunehmend gute Laune des Publikums an, während ihre emotional gefärbten Stimmen vom Orchester adäquat in die schwungvollen, vor Lebenslust überströmenden Melodien hineingezogen wurden. Der Schwung, den Sebastian Beckedorf mit seinen Musikern dabei an den Tag legte, war gleichermaßen schwelgerisch und mitreißend. Alles war verpackt in raffinierten Klangbildern voll fließender und zum Tanzen verführender Linien.

Der Dirigent bewies ein sensibles Gespür für den besonderen Charme der ausgewählten Partituren. Er verzichtete auf plakative Champagnerseligkeit ebenso wie auf vordergründige Sentimentalität. Stattdessen arbeitete er die klanglichen Finessen heraus und erzielte dabei einen homogenen, poesiereichen, zwischen Opulenz und feingliedrigem Kammerspiel changierenden Orchesterklang, sei es bei der klangfarblichen Gestaltung der fernöstlichen Stimmungslandschaft im „Land des Lächelns“ oder beim akustischen Varieté-Besuch mit Paul Linckes „Folies Bergère Marsch“.

Ein Konzert, das ankam und am Ende mit reichhaltigem Applaus bedacht wurde. Aber es hätte eine einladendere Kulisse verdient gehabt.

Von Rolf-Dieter Diehl