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Celle Stadt Braunschweiger Staatstheater in der Congress Union: Brillante Staccati und perlende Läufe
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Braunschweiger Staatstheater in der Congress Union: Brillante Staccati und perlende Läufe
13:18 20.02.2014
Dirigent Philipp Pointner (vorne) führte die Musiker des Braunschweiger Staatsorchesters in klangliche Nischen und musikalische Verästelungen. Quelle: Alex Sorokin
Celle Stadt

Seitdem es in Celle die Konzertreihe „Zeit für Klassik“ gibt, hat man hier nicht nur ein hervorragendes zusätzliches Programmangebot, sondern darf sich auch immer wieder auf ungewöhnliche und hochkarätige Konzertereignisse freuen. Ein bestens aufgelegtes und hoch konzentriert musizierendes Staatsorchester Braunschweig erlebten die Zuhörer in der Congress Union im zweiten Sinfoniekonzert der laufenden Konzertsaison.

Mit Werken von Dmitri Schostakowitsch, Ludwig van Beethoven und Leos Janácek hatte man sich darüber hinaus effektvolle Orchesterwerke ausgesucht, die ebenso virtuos wie melodisch eingängig ihre Wirkung nicht verfehlten. Für seine klanglich ausgewogene, technisch makellose, engagierte und in sich stimmige Leistung bekam das Orchester nicht erst am Schluss heftigen und langanhaltenden Applaus.

Dirigent Philipp Pointner, umsichtig und auch im Detail genau, trieb seine Musiker mit sparsamen Gesten zu großer Tat und führte sie gleich zu Beginn ebenso sanft wie entschlossen in die klanglichen Nischen und musikalischen Verästelungen der Schostakowitsch-Sinfonie Nr. 9 Es-Dur op. 70. Da brauchte man keine Anlaufzeit, um das Publikum mit ironischen Wendungen und grotesken Details von Anfang an in seinen Bann zu ziehen. Flottes Tempo, brillante Staccati, festlich-fröhliche, blitzsaubere Bläsereinwürfe und pulsierendes Temperament zeichneten die schnellen Sätze aus und wunderbar ruhig und weich in den ersten Geigen, vorwiegend auf der G-Saite gespielte Melodik gab es im Moderato und im Largo zu hören.

Als ein hochrangiger Pianist mit besonderer Ausstrahlung erwies sich Bernd Glemser im anschließenden Klavierkonzert Nr.4 G-Dur op.58 von Ludwig van Beethoven. Ohne große Gesten spielt er perlende Läufe, gestaltet mit vielen Nuancen musikalische Gefühle von großer Innigkeit und bleibt im Zusammenspiel mit dem Orchester stets hochkonzentriert. Da wird nichts verschleiert, mit sparsamem Pedalgebrauch bleibt jeder Ton bei den in gleichmäßig pochenden Achteln hörbar und steigert sich in beseeltem Gesang ohne falsches Pathos und ohne jede Überzeichnung zu einfühlsamen Dialogen – temperamentvoll ausgeprägt in den Ecksätzen und wunderbar sensibel im Andante con moto. Hartnackig erklatschte sich danach das Publikum die a-Moll Mazurka op. 68 von Frederic Chopin als Zugabe.

Mit jubelnden, hellen Blechbläserfanfaren und schnell wechselnden Motiven im ersten Satz und lyrisch ausdrucksvoll im Moderato gestaltete sich abschließend die Sinfonietta von Leos Janacek. Ein turbulenter Abschluss eines großartigen Konzerts.

Von Hartmut Jakubowsky