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Celle Stadt Bremsversuch: Tempo-50-Pläne für Celler Ostumgehung
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bremsversuch: Tempo-50-Pläne für Celler Ostumgehung
16:43 13.09.2013
Von Michael Ende
Unverbaubarer Gartenausblick auf die neue B3: Auch Erika und Thomas Rüger aus der Windthorststraße fühlen sich vom Lärm der Hochstraße belästigt. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Als die frischgebackenen Anwohner der neuen Bundesstraße 3 sahen, wie die Ostumgehung zwischen Westercelle und Altencelle Gestalt annahm, ahnten sie schon, dass diese Straße ihnen wenig Gutes bringen würde. „Mit Eröffnung des zweiten Bauabschnittes der Ostumgehung am 20. Juni hat sich die Wohn- und Lebenssituation in den anliegenden Wohngebieten Altenceller Feld, in Burg und in Westercelle entscheidend geändert“, sagt Helmut Schulenburg aus der Windthorststraße, der zusammen mit rund 30 anderen die „Lärmschutzinitiative Ostumgehung 2. Bauabschnitt“ gegründet hat.

Die Anwohner fühlten sich durch Lärm belästigt, so Peter Kuhlmann von der Initiative: „Schlafen mit offenem Fenster und ruhiges Sitzen im Garten sind nicht mehr möglich. Ein permanentes Rauschen des Autoverkehrs gehört nun zum Alltag in vormals ruhigen Anliegerstraßen. Ein ehemaliges Gebiet, das für Spaziergänge und zur Erholung genutzt wurde, ist durchschnitten und verlärmt.“ Die Größenordnung und Intensität der Veränderung sei von den Anwohnern so nicht erwartet worden: „Mit Anstieg der Nutzung der Umgehungsstraße durch die Autofahrer in den letzten Wochen ist bereits jetzt ein Anstieg der Lärmbelastung spürbar. Bei Eröffnung des dritten Bauabschnittes ist durch größere Verkehrsmengen und erhöhte Fahrgeschwindigkeit mit einem weiteren deutlichen Anstieg der Lärmbelästigung zu rechnen.“

Auch wenn bei Lärmmessungen keine Überschreitungen von gesetzlichen Grenzwerten festgestellt werden sollten, so sei doch die „gefühlte Lärmbelastung“ so hoch, dass sie zu einer deutlichen Beeinträchtigung des Lebens in den betroffenen Wohngebieten geführt hat, sagt Kuhlmann. Die konkreten Forderungen der Initiative lauteten daher: aktiver und effektiver Lärmschutz am zweiten Bauabschnitt der Ostumgehung. Und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 Stundenkilometer als „kostengünstige Sofortmaßnahme.“

Die Initiative sucht Kontakt mit verantwortlichen Politikern. Im städtischen Verkehrsausschuss sagte Stadtbaurat Matthias Hardinghaus, dass die Stadt nicht zuständig sei und auch nicht so einfach etwa von den Bürgern geforderte Lärmschutzwälle bauen könnte: „Zuständig wären die Landestraßenbaubehörde und der Bund, aber die haben an der neuen Trasse bereits alles umgesetzt, was nach den Vorschriften nötig ist – mehr geht nicht.“

Damit will sich die Initiative nicht abspeisen lassen. WG-Ratsfraktionsvorsitzender Torsten Schoeps auch nicht. Er fordert die Verwaltung in einem aktuellen Ratsantrag auf, bei den zuständigen Behörden einen „aktiven und effektiven Lärmschutz“ einzufordern. „Bis zur Umsetzung einer möglichen positiven Entscheidung wird als kostengünstige Sofortmaßnahme eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 bis 70 Stundenkilometer in den vom Lärm betroffenen Streckenabschnitten angeordnet.“

Auf einer seiner Wahlkampftouren hat auch der Celler CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte bei der Initiative vorbeigeschaut und sich in der Nähe des Westerceller Freibades einen Eindruck von neuen Lärmpegel verschafft. „Nach diesem Eindruck sicherte er den Vertretern der Lärmschutzinitiative zu, sich für eine Lösung im Bereich des aktiven Lärmschutzes einzusetzen. Hier sieht er aber auch die Stadt Celle mit in der Verantwortung und will sich entsprechend beim Oberbürgermeister der Stadt dafür einsetzen“, so Kuhlmann. Otte: "Tempo 50 auf der Umgehung geht allerdings gar nicht." Bei Mende hat die Initiative Ende September einen Termin: „Wir wissen, dass die Politiker kurzfristig nichts machen können. Wir wollen zunächst mit unserem Anliegen gehört und wahrgenommen werden, zumal sich aktuell alles auf die Problematik B214-Umleitung fokussiert.“