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Celle Stadt Brett vorm Kopf, Sieg in der Tasche
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Brett vorm Kopf, Sieg in der Tasche
17:59 07.02.2010
KABARETT: „EinMannKultur“ mit Peter Frohleiks - Puppentheater mit Angela Merkel Quelle: Aneka Schult
Celle Stadt

Als Mann mit Brett vorm Kopf stellte sich Peter Frohleiks am Sonnabend in Kunst & Bühne zur Schau im Kabarett-Solo „EinMannKultur“ (Regie: Uwe Schuran).

Das ultimative Bügelbrett für den Singlemann habe lange auf sich warten lassen. Nun ist es in Frohleiks’ Besitz: stabil, schnittig und auch in Extremsituationen variabel einsetzbar. Nicht zuletzt vermag der Ruhrpöttler mit ihm der Welt eins überzubügeln.

Frohleiks’ kernige Programmeröffnung als spritzig-selbstbewusster Ironman, der das selbst gebaute Haushaltseisen zum Kettenhemden-Bügeln nimmt, hielt, was sie versprach: inhaltsreiches und musikalisches Kabarett mit sportlicher Frische.

Der aus dem Trio „MännerKulturen“ bekannte Kabarettist nahm mit seiner sperrigen Requisite nicht nur sein eigenes Hemd und typische Geschlechterrollen in die heitere Mangel, sondern zelebrierte an und auf ihm auch allerhand Leibesertüchtigungen. Er sprang aus dem Stand darauf oder wirbelte es herum. Er surfte und ruderte, rodelte und nahm körperlich wie inhaltlich locker die Wellen, ohne jedoch den Tiefgang zu vergessen. Immer flink. Mit der Haltungsnote Zehn.

Das Brett diente als Angela-Merkel-Puppentheater oder Mikrofon, Spiegel oder Stuhl. Am liebsten aber sahen es die Gäste als Tresen des wiederkehrenden Stammtischs, an dem sich der Friese Kunz, der Berliner Hinz, der Bayer Franzl und der Ruhrpöttler Schorsch über die Bauchschmerzen des kleinen Mannes, über Rauch, Kohle und Kirche den Kopf zerbrachen.

Wahnsinn ist Frohleiks als Meister der Dialekte und Parodien. Ob als Herbert Grönemeyer oder Herman van Veen, als Reinhard Mey, Udo Lindenberg, Berlsuconi oder Sarkozy, als Reich-Ranicki in der Sendung „Die gute Tat für’s Prekariat“ oder Reiseverkäufer von Sonnen-TV, der eine Spritztour nach Lampedusa verkauft – er war genial. Die Stimme trug den Sänger ebenso geschmeidig wie sein Bügelbrett. Allerdings kamen die Statements, so eines Österreichers im Haiderlied, nicht selten ungebügelt und böse-kantig daher. Sogar philosophisch sinnierte Frohleiks über Optimisten und Pessimisten, Bedeutungslosigkeit, die Gesellschaft des „Mal eben“ und Versagensängste beim Mann. Der krönende Abschluss war sein „Alles-klar-Macher“-Song. Wer bis dahin Frohleiks’ Entertainer-Qualitäten nicht bemerkt hatte, der blickte jetzt wie hypnotisiert auf die Bühne. Da stand er, der gewitzte Gewinner des kühlen Kalküls. Jung, hipp, verantwortungslos, tanzte wie ein Derwisch und bot sein teuflisches Siegerlächeln. „Ja, ja, tri tra trullala, Kasperle ist wieder da“. Das war stark. Und irre: man jubelte ihm abermals aus vollster Überzeugung zu.

Mit dem Bügelbrett allen Kabarett-Solo-Lagen gewachsen: Peter Frohleiks hatte den Jubel in Kunst & Bühne auf seiner Seite.

Von Aneka Schult