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Celle Stadt Brüche eröffnen Blick ins Bild im Celler Coffee Shop
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Brüche eröffnen Blick ins Bild im Celler Coffee Shop
12:47 25.08.2017
Im Coffee Shop wurde die Ausstellung „gerakelt“ eröffnet. Künstler Hans-Udo Strohmeyer vor seinem Werk „Only colors“. Quelle: Michael Schäfer
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„Eigentlich kann er gar nicht klein, sondern nur groß“, bemerkte „Kurator“ Horst Brune, der in die besondere Technik der Arbeiten einführte und Strohmeyers „Lust an Farbe allgemein“ betonte.

Die Werke sind gerakelt und zwar in mehrmaligen Malvorgängen. Mittels selbstgebauter Rakel aus Holz und Plexiglas werden Ölfarben auf Büttenpapier verteilt, bearbeitet und durch Überlagerungen „unverwechselbare Rakelbilder“ erzeugt. Mit dieser Technik begonnen habe Strohmeyer, der an der Anthroposophischen Hochschule für Geisteswissenschaft in Dornach (Schweiz) studierte und in Werbeagenturen tätig war, bis er sich vollkommen der Bildenden Kunst widmete, vor drei Jahren. „Ich habe auch früher schon „angerakelt“, aber eigentlich verwende ich die Farben meist zart. Mit der Rakeltechnik kann ich die Farben dagegen aufbrechen. Diese Brüche haben den Effekt, dass man in das Bild und in die Arbeitsschritte hineinsehen kann.“

Ein Antrieb seien Farbkompositionen. Im Vordergrund der gezeigten Serie steht beispielsweise Rot, eine zentrale Farbe, die es schon in der Höhlenmalerei gab und die für die Mutter Erde steht. „Mein Ziel ist es, Betrachter durch Farbgestaltung zu berühren“, sagt Strohmeyer. „Ich bin von der Waldorf-Idee geprägt und da stehen Farben im Vordergrund, das Malen nach Gefühl.“ Die gegenstandslosen Ölbilder erinnern hier an Birkenrinde, da an Aschereste. „Gerakelte Bilder veranschaulichen die Wirklichkeit, die wir weder sehen noch beschreiben können, auf deren Existenz wir aber schließen können“, sagte Carl Otto Götz, gewissermaßen der Vater der Rakeltechnik, der kürzlich im Alter von 103 Jahren verstarb.

Strohmeyer platziert für seine Rakelbilder bewusst und mit unterschiedlichen Pinseln Farbe auf einen Malgrund, um sie dann mit seinen selbstgebauten Rakeln über die Bildfläche zu ziehen, bis Farbströme, aufgebrochene Streifen und ungewöhnliche Strukturelemente entstehen.

Von Aneka Schult