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Celle Stadt Brüssels Herz für Celler Bienen
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Brüssels Herz für Celler Bienen
15:58 21.09.2018
Hendrik Baars bei der Aussaat der Honigpflanzen. Borretsch, Inkarnatklee und Sommerwicken zählen zu den Pflanzen, die die Bienen im Sommer vor Hunger bewahren sollen (kleine Bilder von oben). Quelle: Anke Schlicht
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„Bienen produzieren erst aus Nektar Honig, außerdem bieten die Blüten auch den so wichtigen Pollen", sagt vond er Ohe. "Bienenweiden oder Bienennähr- anstelle von Honigpflanzen wäre sachlich richtig gewesen.“ Doch das Förderprogramm, das zu Beginn des Jahres von Seiten der Politik noch ein wenig attraktiver für Landwirte gestaltet wurde, ist als „Brachfläche mit Honigpflanzen“ etabliert in den Agrarinstitutionen von Brüssel bis Berlin, und so verwenden das unzutreffende Wort auch die von Berufswegen mit dem Anbau von nützlichem Grün vertrauten Landwirte.

Einer, der dieser Profession mit Hingabe nachgeht und auf eine lange Tradition seines Hofes in Langlingen verweisen kann, ist Hendrik Baars: „Wir betreiben die Landwirtschaft an dieser Stelle in der 13. Generation“, gibt er während einer „Drillpause“ einige Hintergrundinformationen zu seinem 160 Hektar großen Familienbetrieb. Fünf Prozent seiner Äcker muss er als ökologische Vorrangfläche bewirtschaften. In diesem Jahr hat er für diesen von der EU als Greening-Verordnung vorgegebenen Zweck eine Honigpflanzenmischung ausgewählt.

„Die Bienen hungern im Sommer“. Diese schon vor Jahren getroffene Aussage des ortsansässigen Imkers, Klaus Bode, erzielte nachhaltige Wirkung bei Hendrik Baars. Nicht nur das Nachrichtenwesen leidet unter einem Sommerloch, auch die Immen finden nach einem reichlich gedeckten Tisch während des Frühjahrs ab Juli ein deutlich geringeres Nahrungsangebot vor, weil nicht mehr so viel in Blüte steht.

Wer früher im Sommer durch die Feldmark ging oder mit dem Fahrrad unterwegs war, dem begegnete das markante Blau der Kornblume überall dort, wo Getreide stand. Heute ist sie eine Rarität, obwohl sie ausgehend von ihrer Blütezeit den gesamten Sommer bis in den Herbst hinein zu bewundern wäre. Der Überdüngung der Felder hielt sie nicht stand. Die Brüsseler Verwaltung hat sich nun ihrer angenommen – sie ist gelistet. „Die EU gibt die Pflanzenmischungen für das Programm exakt vor“, sagt Anna-Lena Niehoff von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen. Agrar- und in diesem Fall Insektenförderung dieser Art ist bereits seit Jahren im Angebot, neu ab Januar 2018 ist der gesetzlich veränderte späteste Aussaattermin am 31. Mai sowie die Anrechenbarkeit der auf diese Weise bestellten Fläche mit dem Schlüssel 1,5 anstelle von 1 auf die vorgeschriebenen 5 Prozent.

„Es ist ein Erfolg, dass die Politik das durchgesetzt hat, es war ja lange gefordert“, bewertet Alexander Burgdorf vom Celler Landvolk die Neuerungen, „die einzuhaltenden Termine lagen beim 31. März, das passt nicht in die Natur.“

Ein Aspekt, der für Landwirt Hendrik Baars kombiniert mit dem attraktiveren Anrechnungsfaktor von 1,5 den Ausschlag für die einjährige „Honigmischung“ gab. „Man muss es nüchtern betrachten. Natürlich wollen wir den Bienen helfen, aber wir müssen auch wirtschaftlich denken“, erläutert der Langlinger, während er Phacelia, Borretsch, Sommerwicken, Inkarnatklee und viele weitere Spätblüher einsät. „Das ist eine gute Sache, mehrjährige Mischungen dieser Art auf Brachland werden von den Imkern als geeignetste ökologische Vorrangfläche im Greening-Programm angesehen“, lautet die Bewertung von Imker Hinnerk Völker, der mit etlichen Landwirten zusammenarbeitet und Blühstreifen für eine ideale Plattform des Dialogs zwischen Bauern und Imkern hält.

Noch ist das 4,5 Hektar große Areal, das bisher brachlag, so schwarz wie die Raben, die Hendrik Baars bei seinen Runden über den Acker begleiten. In sechs bis acht Wochen wird sich Brüssels Herz für Insekten an gleicher Stelle in Blütenform ablesen lassen.

Von Anke Schlicht