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Celle Stadt Bühne für Menschenrechte thematisiert in Celle Flüchtlingsschicksale
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bühne für Menschenrechte thematisiert in Celle Flüchtlingsschicksale
18:28 15.04.2016
Simon Zigah, Alice Hanimyan und Kolja Unger (von rechts) spielen die drei Protagonisten des Stücks Ali, Safiye und Felleke, die nach Deutschland geflohen sind. Quelle: Alex Sorokin
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Ali aus Togo musste aus seinem Heimatland fliehen, weil er sich für mehr Demokratie einsetzte. Felleke aus Äthiopien sollte für die Regierung in den Krieg ziehen und musste anderen Soldaten bescheinigen, dass sie kriegstauglich seien. Er weigerte sich und konnte sich daraufhin nicht mehr sicher fühlen. Safiye aus der Türkei wurde als Kurdin, die sich politisch engagierte, verfolgt, inhaftiert und gefoltert und wollte in ein Land fliehen, wo sie wieder frei sein konnte.

Diese drei Menschen haben in Interviews den Mitarbeitern der Bühne für Menschenrechte ihre Geschichte erzählt, von der Situation in ihrem Heimatland über die Flucht bis hin zu ihrer Situation und den Bedingungen in Deutschland, wo sie ein neues Leben beginnen wollten. In dem dokumentarischen Stück "Asyl-Monologe" hat Regisseur Michael Ruf, ohne etwas hinzuzufügen, die drei Schicksale der Flüchtlinge auf die Bühne gebracht und am Donnerstag in der CD-Kaserne anlässlich der Aktionswochen gegen Rechtsextremismus aufgeführt.

Bei dem Stück stehen drei Schauspieler der Bühne für Menschenrechte auf der Bühne und erzählen abwechselnd in Monologen die Geschichte des Flüchtlings, den sie verkörpern. Schauspieler Kolja Unger spielte Felleke und schilderte sehr bewegend, wie er sein Heimatland verlassen musste und sein Start in Deutschland sehr schwierig war. Fellekes Asylantrag wurde abgelehnt, oft sollte er abgeschoben werden, er wurde eingesperrt und gedemütigt, erzählte er.

Alice Hanimyan spielte Safiye, die in der Türkei eine qualvolle Haftzeit ertragen und in Deutschland ein langes Asylverfahren durchlaufen musste, bei dem sie zwischenzeitlich sehr deprimiert und hoffnungslos war. Auch ihr Antrag ist zunächst abgelehnt worden, bis ihr Anwalt Widerspruch einlegte.

Simon Zigah verkörperte Ali, der an Kinderlähmung erkrankt war und dem lange Zeit wegen des schwebenden Asylverfahrens eine medizinische Behandlung verweigert wurde. Er litt unter den einengenden Bedingungen, unter denen er anfangs leben musste.

Die drei Schauspieler trugen die Monologe sehr authentisch vor. Nach einiger Zeit bekam der Zuhörer das Gefühl, als sei der Schauspieler der Flüchtling, der von seinem Leben erzählt. Mit großem Applaus belohnte das Publikum die Schauspieler zum Schluss.

Veranstalter waren das Celler Forum gegen Gewalt und Rechtsextremismus sowie das Diakonische Werk. Das Forum besteht seit etwa 15 Jahren in Celle und besteht aus vielen Einzelpersonen sowie aus Parteien und Gruppen und dem Deutschen Gewerkschaftsbund. "Wir leisten Bildungsarbeit gegen Rechtsextremismus und initiieren Kulturveranstaltungen zu dem Thema. Am 25. Mai kommt zum Beispiel Politologin Andrea Röpke, um über Rassismus und Diskriminierung zu referieren", berichtet Kirsten Dieckmann vom Celler Forum.

Horst-Peter Ludwigs engagiert sich seit über 25 Jahren in der Flüchtlingshilfe und erläutert im Publikumsgespräch im Anschluss an das Stück, dass es für Flüchtlinge keine Stelle gebe, die sie darüber informiert, wie das Asyl-Verfahren abläuft und was sie zum Asylrecht wissen müssen.

Von Jessica Poszwa