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Celle Stadt Bürger im Landkreis Celle auf Extremflut vorbereiten
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bürger im Landkreis Celle auf Extremflut vorbereiten
18:01 20.09.2013
Von Andreas Babel
    Quelle: cz
Celle Stadt

Jetzt kommt offenbar Bewegung in den Hochwasserschutz in Niedersachsen. 92 Vertreter von Kommunen und Verbänden kamen gestern zu einer Infoveranstaltung des Niedersächsischen Umweltministeriums und des Niedersächsischen Landesbetriebes für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Celle zusammen. Dem liegt offenbar ein Umdenken zugrunde: „Unsere Aufgabe ist es, ein Hochwasser-Bewusstsein zu schaffen. Es ist nicht unsere Aufgabe, Schutzmaßnahmen zu bauen, sondern Gefahren- und Risiko-Karten zu erstellen und diese im Internet der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen“, sagte Anne Rickmeyer, Referentin im Referat Hochwasserschutz des Umweltministeriums.

Seit etwa zehn Jahren wissen die Anrainer der Aller, welche Gebiete bei einem Hochwasser überschwemmt werden, das theoretisch alle 100 Jahre eintrifft (HQ100). Auf den Daten dieser Überschwemmungsgebiete bauen die neuen Risiko- und Gefahren-Karten auf, die das NLWKN nun bis Jahresende nach und nach auf seiner Internetseite (www.nlwkn.niedersachsen.de) hochladen wird, erläuterten Christina Eckardt und Michael Hormann von der „Hochwasserisikomanagement-Arbeitsgruppe“ des NLWKN. Für die Aller sind diese Karten schon weitgehend fertig, jetzt folgen noch Karten für Fuhse, Lachte, Örtze und Wietze. Diese heimischen fünf Flüsse gehören zu dem großen Einzugsgebiet der Weser, das in seiner Gesamtheit betrachtet wird. Insgesamt sind liegen 7136 Fluss-Kilometer in niedersächsischen Überschwemmungsgebieten, davon sind nun rund 2300 Kilometer Risikoabschnitte, darunter auch weite Teile der Alleraue.

Der NLWKN wird nun für jeden der betrachteten Flüsse drei Szenarien durchspielen, diese in Kartenform dokumentieren und jedermann zugänglich machen: Für ein Hochwasser, das sich alle 20 bis 25 Jahre ereignet, für ein HQ100 und für ein so genanntes HQextrem. Mit letzterem ist ein Hochwasser gemeint, das in seiner Intensität alle 200 Jahre zu erwarten ist. Eines wurde während einer Pressekonferenz mit den Fachleuten deutlich: Einen absoluten Schutz vor Hochwasser wird es nie geben. Das Frühsommer-Hochwasser nördlich der Alpen hatte die Ausmaße eines HQ500, also eines Hochwassers, wie es alle 500 Jahre nur vorkommt. Wäre die Regenmenge, die dort tagelang niederging, hier gefallen, dann wären auch in unserem Bereich die Auswirkungen verheerend gewesen.

Wichtig ist, dass alle Kommunen, Verbände, Behörden und Ministerien länderübergreifend zusammenarbeiten und vor allem die Bürger mitnehmen. Anlass für all diese Planungen war die Betrachtung der 100 größeren Hochwasser-Ereignisse in Europa in den Jahren 1998 bis 2004, bei denen rund 700 Menschen starben.

Am Rande der bisherigen fünf Infoveranstaltungen für die Fluss-Anrainer wurde auch über Bestrebungen im Vorharz-Gebiet gesprochen, dort Rückhaltegebiete einzurichten. Dabei wurde auch über finanzielle Ausgleichszahlungen geredet. Es wurde aber auch deutlich: Diese Rückzugsflächen haben nur Auswirkungen für einen gewissen Bereich flussabwärts, weiter unten sind sie nicht mehr nachzuweisen. Eines haben die Experten gelernt: Nicht jedes Hochwasser ist einzudämmen, man muss aber auf die Gefahren vorbereitet sein.