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Celle Stadt Bürgerdialog: Celler Vorschläge für Merkel sind "grün"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Bürgerdialog: Celler Vorschläge für Merkel sind "grün"
15:26 23.03.2012
Lebhaft wurde diskutiert. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

„Wir fahren nach Berlin“, schoss es Judith Knabe und Gerd Vasterling Mittwochabend spontan durch den Kopf. Nicht zum Fußball-Pokalfinale, nein, zu Bundeskanzlerin Angela Merkel soll es sie führen, was beiden die bessere Adresse gilt.

Knabe und Vasterling sind zwei von 25 Teilnehmern am „Marktplatz der Ideen und Handlungsvorschläge über die Gestaltung des Landes in den nächsten fünf bis zehn Jahren“, zu dem die Volkshochschule Celle in den Kreistagssaal eingeladen hatte. Im Rahmen des von der Bundeskanzlerin ins Leben gerufenen Bürgerdialogs sollten Vorschläge für die Zukunft Deutschlands erarbeitet werden. In der Celler VHS fand eine von 50 direkten Diskussionsveranstaltungen statt. Und zwei der per Los ermittelten Teilnehmer, eben Knabe und Vasterling, dürfen nun die Ergebnisse der Kanzlerin vortragen.

„Sie befinden sich an einem Ort heftiger Leidenschaften und kommunaler Selbstverwaltung, in einer Keimzelle bürgerschaftlicher Selbstverwaltung“, begrüßte Erster Kreisrat Matthias Krüger die Anwesenden. „Dies ist der richtige Ort für den Celler Bürgerdialog. Meinung ist gefragt.“ Dies machte auch die Leiterin der Celler VHS, Liliane Steinke, deutlich: „Es ist kein Seminar, keine Podiumsdiskussion. Es ist im besten Sinne ein Abend des Dialogs zu Fragen, die jeden von uns bewegen.“

Ein durchstrukturierter Abend war es; einer, der sich nicht in langen Debatten verstrickte und erwünschte konkrete Ergebnisse brachte. Im Themenkomplex „Wie wollen wir in den kommenden fünf bis zehn Jahren zusammen leben?“

ging es den Teilnehmern mehrheitlich um die Änderung des Konsumverhaltens. Die herrschende Wachstumslogik sei nicht zukunftsfähig. Erforderlich sei ein Ressourcen schonendes ökologisch nachhaltiges Wirtschaften. Es gehe um die Herstellung nachhaltiger Produkte und tiefgreifenden gesellschaftlichen Wertewandel.

„Wovon wollen wir leben?“ hieß es im zweiten Fragenblock. Auch hier herrschte eine „grüne“ Mehrheitsmeinung vor. Regionale und ökologisch erzeugte Lebensmittel und weniger Fleisch, hieß es. Dies erhöhe die Chance auf artgerechte Tierhaltung, wobei europaweite Lebendtiertransporte verboten werden sollen.

Individuelle Fähigkeiten unterschiedlicher Kompetenzen fördern und wertschätzen, so lautete das Ergebnis im Block „Wie wollen wir lernen?“. Dazu werden entsprechend qualifiziert ausgebildete Lehrkräften und Erzieher benötigt. Rahmenbedingungen sind zu schaffen, um inklusives Lernen zu fördern. Schließlich sollen soziale und kognitive Fähigkeiten gleiche Wertschätzung erfahren und unterschiedliche Bildungsbereiche und Abschlüsse gleichberechtigt zu behandeln.

„Es herrschte eine super hohe engagierte Stimmung, ein wertschätzendes Miteinander. Alle standen aktiv und produktiv zum Experiment. Es gab ein großes Bedürfnis zum Austausch. Ich bin gespannt, wie die Politik darauf reagiert“, zog Steinke ein äußerst positives Resümee.

Von Gert Neumann