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Celle Stadt „Bulldozer des Wortes“ beim Poetry-Slam
Celle Aus der Stadt Celle Stadt „Bulldozer des Wortes“ beim Poetry-Slam
14:01 24.04.2013
Moderierten den Poetry-Slam: - Henning Chadde (links) und - Jörg Smolacha. Quelle: Gert Neumann
Celle Stadt

Mit Sprüchen wie „Wir können nicht nur Florett, sondern auch Streitaxt“ sorgten die beiden Teams schon vor Beginn gleichermaßen für Lacher und Spannung. „Bulldozer des Wortes“ und „Spoken Word Artist“ waren nur zwei der Attribute, die man den jeweils fünf Slammern zuordnete. Sieben Minuten Vortragszeit hatte jeder von ihnen, und das Publikum entschied durch Beifall und Punktvergabe, wer am Ende die Nase vorn hatte. Das war – um es vorwegzunehmen – das Team „Buch“ mit dem denkbar knappen Vorsprung von 320:319 Punkten. Doch das war völlig nebensächlich. Es ging in erster Linie darum, die Zuhörer mit wortmächtig und ausdrucksstark vorgetragenen Texten und aneinandergereihten Pointen zu begeistern und dabei die meisten Lacher zu erzielen. Und dafür wurden im übertragenen Sinne tatsächlich sowohl Florett als auch Streitaxt genutzt:

Zwischen hintergründigen Beiträgen („Lasst uns doch einfach mal anders sein als immer nur trendy “) und der sich zwischen „Doppelpunkt – Bindestrich – Klammer auf“ und „Semikolon – Bindestrich – Klammer zu“ abspielenden SMS-Liebestragödie mit Happy End, zwischen Sinnsprüchen („Auch Papier hat Gefühle“), fragwürdigen Weisheiten („Bier ist die Ambrosia des Analphabeten“) und widerlicher Fäkalsprache („Tanzpalais Jansen“) nutzten die Teilnehmer „die Freiheit, das Maul aufzumachen und die Fresse zu halten“, wie es in einem Beitrag formuliert wurde. Und sie bestätigten damit auf treffliche Weise die verlautbarte Erkenntnis eines der ihren: „Im Land der Dichter und Denker sind wir die Richter und Henker.“ Die ausgelassene Stimmung im Saal hingegen schien einem anderen Teilnehmer Recht zu geben, als dieser resümierte: „Das Leben findet immer noch außerhalb des Buchrückens statt.“

Von Rolf-Dieter Diehl