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Celle Stadt Lobetal-Vorstand: "Angebot muss auf Prüfstand"
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Lobetal-Vorstand: "Angebot muss auf Prüfstand"
09:30 12.01.2019
Von Dagny Siebke
Diplom-Kauffrau Christine Petersen (links) und Theologin Ulrike Drömann bilden den Vorstand der Lobetalarbeit. Quelle: David Borghoff
Celle

Insgesamt 1400 Mitarbeiter kümmern sich bei der Lobetalarbeit um das Wohl von rund 1700 Menschen mit Behinderung, Senioren und Kindern und Auszubildenden. Seit 1. August bilden Ulrike Drömann und Christine Petersen die erste Doppelspitze des diakonischen Unternehmens. Zuvor lenkte Carsten Bräumer 13 Jahre lang als alleiniger Vorstand die Geschicke. Das Duo sprach mit CZ-Redakteurin Dagny Siebke über aktuelle Herausforderungen.

Frau Drömann, Sie gehören jetzt seit 1. August zum Vorstand der Lobetalarbeit. Sie arbeiten aber dort schon seit 20 Jahren. Ist die neue Aufgabe ein Neuanfang für Sie?

Drömann: Zwar habe ich bereits in der zweiten Führungsebene gearbeitet, dennoch musste ich im Laufe der vergangenen fünf Monate Handlungssicherheit gewinnen. Es gab auch Dinge, von denen ich noch zuvor nie etwas gehört hatte. Es hat mich sehr beruhigt, dass Christine Petersen mit diesen Sachen schon vertraut war.

Ulrike Drömann war Wunschkandidatin

Frau Petersen, Sie waren bereits seit 2012 stellvertretender Vorstand. Was hat sich für Sie verändert?

Petersen: Am 1. November 2017 bin ich in die neue Position reingerutscht. Das Jahr danach war sehr anstrengend für mich. Jetzt läuft es besser, weil wir uns Zeit nehmen können, Entscheidungen zu reflektieren. Ulrike Drömann und ich, wir kennen uns schon sehr lange. Sie war meine Wunschkandidatin. Wir ergänzen uns sehr gut und können uns auf Fehler aufmerksam machen.

Was haben Sie sich für die nächsten zwölf Monate vorgenommen?

Petersen: Das Bundesteilhabegesetz beschäftigt uns strategisch. Bisher waren Leistungen für Menschen mit Behinderungen maßgeblich von der Wohnform abhängig. Künftig sollen Leistungen von den individuellen Bedürfnissen abhängen. Wenn wir als Lobetalarbeit überleben wollen, müssen wir alle Angebote auf den Prüfstand stellen. Wir müssen unsere Altbauten sanieren. Wir wollen mehr in die Fläche gehen, ohne neu zu bauen. Dazu wollen wir vermehrt mit der städtischen Wohnungsbaugesellschaft kooperieren.

Lobetalarbeit will Altbauten sanieren

Was wird zuerst saniert?

Drömann: Unser Standort in Altencelle hat oberste Priorität. Die Gebäude sind halbstöckig gebaut und überhaupt nicht barrierefrei. Auch in Stübeckshorn sind die Bauten in die Jahre gekommen. Wir müssen uns auch um unser Hauptgelände kümmern. Aus unserer Sicht nimmt das Bundesteilhabegesetz Menschen mit Schwerst-Mehrfachbehinderungen zu wenig in den Blick. Diese können meist nicht in ein offenes Wohnangebot ziehen, sondern brauchen den Rückhalt ihrer Pflegegruppe.

Petersen: Bei diesen Veränderungen müssen wir die Mitarbeiter mitnehmen. Deswegen touren wir gerade durch die Einrichtungen, um mit allen Mitarbeitern ins Gespräch zu kommen.

Diskussion über Personalschlüssel beendet

Beim Umzug ins Wohnheim an der Amelungstraße waren viele Mitarbeiter überfordert. Sie kritisierten, dass dort anfangs zu wenig Personal im Einsatz war. Wie haben Sie die Probleme gelöst?

Drömann: Das Verhältnis von Bewohner und Mitarbeiterzahl wurde falsch berechnet. Der neue Personalschlüssel passt nun weit aus besser. Inzwischen hat sich die Situation entspannt. Dass die Diskussion damals so eskalieren musste, tut uns leid.

Trauriger Höhepunkt war der Treppensturz eines Rollstuhlfahrers...

Petersen: Solch einen Unfall hat es bei der Lobetalarbeit in 72 Jahren nicht gegeben. Auch wenn die Heimaufsicht den Neubau abgenommen hatte, ist es passiert. Doch wir haben daraus gelernt und haben nun an jeder Treppe Poller aufgestellt.

Diakonisches Werk in Hannover vermittelte bei Streit

Insgesamt 47 Kirchengerichtsverfahren belasteten das Verhältnis zwischen Mitarbeitervertretung und Dienststellenleitung. Konnten Sie das Vertrauen zurückgewinnen?

Petersen: Das Diakonische Werk in Hannover hat vermittelt. Wir haben deshalb eine Mediation begonnen. Die Situation war nicht schön, aber wir haben viel geredet. Wir haben gemerkt, dass wir vor diesem Streit schon viel gemeinsam erreicht hatten. Zudem gab es im Sommer einen arbeitsrechtlichen Grundkurs, um Sensibilität für Mitbestimmungsrechte zu schaffen.

Ihr Vorgänger Carsten Bräumer ist bei Reden gerne politisch geworden. Werden Sie daran anknüpfen?

Drömann: Wenn es nötig ist, werden wir Stellung beziehen, allerdings nicht parteipolitisch. Wir sind in der Kirche und in Verbänden politisch aktiv. Gerade müssen wir mit ansehen, wie die Altenpflege und das AKH kaputtgespart werden. Als Nächstes trifft es die stationäre Behindertenhilfe. Dagegen müssen wir uns zur Wehr setzen.

Doppelspitze der Lobetalarbeit

Christine Petersen wurde 1953 in Uelzen geboren. Seit 2003 arbeitet die Diplom-Kauffrau in Lobetal, zunächst als Verwaltungsleiterin. Im April 2012 stieg die Mutter zweier erwachsener Töchter zum stellvertretenden Vorstand auf. Seit 1. November 2017 bildet sie den Kaufmännischen Vorstand der Lobetalarbeit in Celle. 

Ulrike Drömann wurde 1967 in Bleckede (Landkreis Lüneburg) geboren. 1999 kam die Theologin zur Lobetalarbeit, zunächst arbeitete sie als Religionslehrerin in den Ausbildungsstätten. 2011 übernahm Drömann die Bereichsleitung. Ab 2014 war sie verantwortlich für das neu gegründete Geschäftsfeld „Bildung und Ausbildung“. Seit 1. August 2018 übernimmt sie die Aufgaben des Theologischen Vorstands der Lobetalarbeit. 

Lobetalarbeit in Zahlen

Die Lobetalarbeit ist ein diakonisches Unternehmen. Die Angebote Lobetals im Wohnen, in der Tagesbildungsstätte, den Werkstätten und Tagesförderstätten und im ambulant begleiteten Wohnen nutzen fast 900 Menschen mit Behinderung. Die Einrichtung unterhält in Celle und im mecklenburgischen Lübtheen stationäre und ambulante Angebote für etwa 400 Seniorinnen und Senioren.

An den Ausbildungsstätten der Lobetalarbeit kann man sich zum Sozialpädagogischen Assistenten, Heilerziehungspfleger oder Erzieher ausbilden lassen – rund 350 Plätze stehen hier zur Verfügung. Die Lobetaler Kindertagesstätten in Celle und in Stübeckshorn bei Soltau bieten rund 125 Plätze. Außerdem haben unbegleitete minderjährige Asylsuchende in Lobetal ein Zuhause gefunden.

In den unterschiedlichen Lobetaler Arbeitsfeldern arbeiten rund 1400 Voll- und Teilzeitkräfte, inklusive etlicher Schüler. Geistliches Zentrum Lobetals ist die Kirche „Zum Guten Hirten“ an der Fuhrberger Straße.

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