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Celle Stadt Busfahrerin in Celle: Vom Frisörsalon hinters Lenkrad
Celle Aus der Stadt Celle Stadt Busfahrerin in Celle: Vom Frisörsalon hinters Lenkrad
12:28 24.10.2016
Quereinsteigerin Susanne Korsch (großes Bild) macht das Busfahren sehr viel Spaß. Als Mutter von fünf Kindern weiß sie, wie man einen Bus voller Heranwachsender ruhig bekommt. Die Auszubildende Isabell Schröder bringt das Fahrer-Gen mit. Ihr Opa und ihr Vater können Lkw-Fahren, auch ihre Mutter hat am Busfahren Blut geleckt. Quelle: Alex Sorokin (2)
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Nach zehn Jahren Familienzeit musste Susanne Korsch neu anfangen. Da waren die fünf Kinder der Alleinerziehenden aus dem Gröbsten heraus und die damals 37-Jährige konnte sich nicht mehr vorstellen, wieder in einem Frisörsalon zu arbeiten: zu hart der Job, zu schlecht die Bezahlung. Mit Korsch saßen zu dieser Zeit fast fünf Millionen Arbeitslose auf dem Sofa. Doch die Arbeitsagentur hatte für Korsch einen Plan: Sie sollte Busfahrerin werden. "Das fand ich damals nicht so toll. Gleich bei der ersten Fahrstunde musste ich am Kreisel eine Vollbremsung hinlegen. Dabei war mir der Bus viel zu groß und die Armatur mit den vielen Knöpfen hat mir Angst gemacht", erzählt sie. Doch mit immer mehr Praxis setzte sich bei ihr die Freude am Fahren durch.

Heute sagt Korsch, dass die Entscheidung, es einfach mal auszuprobieren, die richtige war. Mittlerweile ist sie 47 Jahre alt und Betriebsratsvorsitzende bei der CeBus. "Frauen sind bei uns sehr angesehen, weil sie oft das nötige Fingerspitzengefühl im Umgang mit den Fahrgästen mitbringen", sagt CeBus-Geschäftsführer Bernward Franzky. 19 der insgesamt 133 Busfahrer sind Frauen. "Bei uns gibt es gute Möglichkeiten, die Arbeitszeiten individuell zu gestalten", so Franzky.

Petra-Johanna Regner von der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft empfiehlt Wiedereinsteigerinnen, keine Hilfstätigkeiten an der Kasse oder im Reinigungsgewerbe anzunehmen, sondern einer qualifizierten Beschäftigung nachzugehen.

Als Mutter von fünf Kindern weiß Korsch, wie sie aufgedrehte Halbwüchsige ruhig bekommt. "Meine Kinder sagen immer: 'Mama du brauchst nichts zu sagen, du musst nur böse gucken'", erklärt sie. Korsch vermeidet Lautsprecherdurchsagen, sondern geht nach hinten und spricht Störer direkt an. Erboste Gäste begleitet sie vor die Tür und wirbt für Verständnis bei Fahrplanumstellungen.

Isabell Schröder ist froh, dass sie frühzeitig eine andere Richtung eingeschlagen hat. "In meiner Ausbildung zur Verkehrskauffrau habe ich gemerkt, dass ich kein Mensch bin, der gerne acht Stunden im Büro verbringt", erzählt die 20-Jährige. Nun macht sie bei der CeBus eine Ausbildung zur Busfahrerin. "Ich liebe Herausforderungen, man weiß zu Dienstbeginn nie, was am Tag passiert", so Schröder. Die Fahrgäste hätten bislang immer positiv auf die junge Frau hinter dem Lenkrad reagiert. "Auch meine Familie ist total beeindruckt."

Von Dagny Rößler