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Celle Stadt CD-Kaserne: Bei Kay Ray sinkt vier Stunden lang das Niveau
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CD-Kaserne: Bei Kay Ray sinkt vier Stunden lang das Niveau
15:54 14.02.2015
Mit seinem Programm „Möglicherweise erst ab 18“ tourt der Kabarettist Kay Ray durch Deutschland und Norditalien. Am Donnerstagabend machte er Halt in der CD-Kaserne. Quelle: Alex Sorokin
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Es ist schon nach zwölf, seit vier Stunden steht Kay Ray auf der Bühne der CD-Kaserne. Noch immer macht er keinerlei Anstalten, zum Ende zu kommen. „Ich bin so besoffen“, sagt er immer und immer wieder. Etwa die Hälfte der Zuschauer ist schon gegangen. Dabei hat der Abend gar nicht so schlecht angefangen.

Zu Beginn macht er Witze über die Bahn, bezeichnet sie als „fahrenden Schrotthaufen“. Schön sind anfangs die Lieder, die er singt, wie beispielsweise „This Woman‘s Work“ von Kate Bush. Doch je später es wird, desto schwerer fällt es ihm, die richtigen Töne zu treffen.

Schon nach kurzer Zeit muss er unterbrechen und sich der ersten Reihe widmen. Die dort sitzenden, scheinbar bereits betrunkenen Frauen, haben ihn mit ihrem Gesöff beworfen. Der Kabarettist ist bekannt dafür, sein Publikum einzubeziehen. So baut er Gäste, die auf die Toilette gegangen sind, kurzerhand in ein Lied ein und singt so lange, bis sie wieder zurück sind. Als eine Frau in der ersten Reihe ein Foto von ihm macht, nimmt er ihr Handy und steckt es sich in die Unterhose – und landet nicht nur damit unter der Gürtellinie.

Über Celle sagt er: „Da wollte ich auch immer schon mal hin.“ In kleinen Orten seien die Leute immer so dankbar, dass überhaupt wer komme. Außerdem merke er, dass viele Ostdeutsche im Publikum seien: „Es liegt ein Hauch Armut in der Luft.“ Auch dafür, dass er gerne mal in den Osten fahre, um dort nach dem Rechten zu sehen und Gerichte wie „Nazigoreng“ zu essen, erntet er noch Gelächter.

Kay Ray macht vor keinem Halt: Ob Rollstuhlfahrer, Juden, Papst oder Kinder und Frauen, die geschlagen werden. „Man sollte über alles Witze machen. Die Welt ist schon schlimm genug“, rechtfertigt er sich und macht dem Publikum keine Hoffnung: „Es wird nicht anspruchsvoller.“

Waren die ersten beiden Stunden einigermaßen unterhaltsam, geht es nach der Pause steil bergab. Mittlerweile ist der Mann auf der Bühne selbst so betrunken wie die Frauen aus der ersten Reihe. Einer nimmt er das Glas weg, trinkt es aus und wirft es hinter sich. Dafür muss sie nun den restlichen Wodka, der zuvor durchs Publikum gereicht wurde, auf ex trinken. Danach nimmt er auch noch ihre Handtasche an sich und schmeißt sie hinter die Bühne, woraufhin die Frau schreit. Später, als er in ihre Handtasche schaut, isst er eine Packung Fisherman‘s Friends und steckt sich ihren Labello einfach ins Ohr. Einer Zwischenruferin, die sagt, dass man sowas doch nicht mache, entgegnet er, sie sei eine „Gesichtsf...“. So bezeichnet er auch diejenigen, die über seine Witze nicht lachen können oder die zahlreichen Besucher, die schon früher gegangen sind.

Von Vanessa Fillis