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Celle Stadt CD-Kaserne: Herzen brauchen Aufwärmphase
Celle Aus der Stadt Celle Stadt CD-Kaserne: Herzen brauchen Aufwärmphase
18:20 13.11.2017
Die "Herzen in Terzen" reisten mit dem Celler Publikum in die 50er und 60er Jahre. Anfangs taten sich die Sängerinnen schwer, doch der zweite Teil des Konzerts klang musikalisch ausgefeilter. Quelle: Peter Bierschwale
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Die Auftritte von „Herzen in Terzen“ leben im Wesentlichen vom guten A-cappella-Gesang, der Persiflage deutscher und internationaler Schlager und den von den Sängerinnen getragenen schrillbunten Fummeln, die wie eine Karikatur der Mode der 50er und 60er Jahre aussehen. Eine Stärke von „Herzen in Terzen“ sind die erstaunlich kräftigen Bässe, die sie nicht so flau wie manch anderen Frauenchor klingen lassen.

Die Damen sangen mit treuherzigem Augenaufschlag und guten Arrangements Schlager wie Gittes „Ich will ´nen Cowboy als Mann“ oder Lale Andersens „Ein Schiff wird kommen“. Doch linkische Bewegungen und schrille Background-Ausreißer standen dazu im krassen Gegensatz, was das Publikum mit anhaltendem Kichern begleitete.

Doch anfangs taten sich die Sängerinnen schwer, da passte einiges nicht zusammen: Die Einsätze klappten nicht immer, und die Harmonien klangen zunächst etwas schief. Die jeweilige Leadsängerin war schlecht zu hören und wurde von den anderen Sängerinnen übertönt. Auch der Sound irritierte die Ohren: Er war staubtrocken, fast schon unangenehm. Da schien etwas Hall zu fehlen.

Das Programm trug den Titel: „Herzen und Terzen gehen baden – so schön war die Zeit!“, doch hatte der Chor viele der Titel schon bei früheren Auftritten vorgetragen. Aber das tat dem Spaß, den das Publikum bei dem Auftritt hatte, keinen Abbruch. Es waren ja auch viele Titel dabei, die man immer wieder gern hört, wie der Mitsing-Song „Schnäppchen“, in dem sie die weibliche Jagd nach „Sonderangeboten“ beim Shoppen karikierten.

Nicht nur mit ihren Kleidern entsprachen die Sängerinnen den Rollenklischees vergangener Jahrzehnte. In ihren Dialogen, aber auch in den Liedtexten ging es immer wieder um „Männer“ und das ambivalente Verhältnis der Frauen zu ihnen. Sie zelebrierten ihre Sehnsucht nach einem Mann und beklagten, dass es keine „richtigen Kerle“ mehr geben, sondern nur noch „Sauna-Untensitzer“ und „Sockenbügler“. Aber so ein „richtiger Kerl“ sollte es dann vielleicht doch lieber nicht sein: „Nach der Hochzeit hast du dann einen King Kong zu Hause.“

Der zweite Teil des Konzerts klang musikalisch deutlich überzeugender, „Herzen in Terzen“ kam richtig in Schwung. Die Interpretation von Marianne Rosenbergs „Er gehört zu mir“ klang dank der Lead-Sängerin seriös und fast besser als das Original. Nur der abgedrehte Background-Gesang ließ zur Freude des Publikums keine Ernsthaftigkeit aufkommen.

Von Peter Bierschwale